Maramu’Trip

Kerstin studiert im fünften Semester empirische Politik- und Sozialforschung im Master. Sie ist momentan für ein Semester im Erasmus und zwar in Cluj-Napoca in Rumänien. Hier im Blog gibt sie uns einen Einblick in ihre Erfahrungen. Die ersten beiden Beiträge sind hier und hier

„Der krönende Abschluss der Intro Days war der zweitägige Trip in die Region Maramureș. Dies ist eine Region nördlich von Cluj-Napoca, die an die Ukraine grenzt. Die Region hat eine lange Geschichte hinter sich, sie war unter anderem Teil des ungarischen Königreichs bzw. von Österreich-Ungarn und wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ein Teil von Rumänien und der Ukraine.

Die Anmeldung für den Trip verlangte Durchhaltevermögen. Zunächst musste man sich in ein Google-Docs Formular eintragen, das war der erste, einfache Schritt. Die Begrüßung der Erasmus-Studierenden fand am Mittwoch um 15 Uhr statt. Um 18 Uhr öffnete das ESN-Büro und jeder, der sich bereits in das Formular eingetragen hatte, sollte sich anstellen. Die ersten 54, die bezahlten, bekamen einen Platz. So kam es also, dass wir bereits um 17 Uhr dort standen (bzw. ich, andere warteten bereits länger). Irgendjemand kam auf die Idee, eine Liste zu erstellen mit der genauen Reihenfolge der Personen, sodass es sinnlos war, sich vorzudrängeln. Ich stand auf Platz 43. Da aber jeder für eine weitere Person bezahlen konnte, war das noch keine Garantie für einen sicheren Platz. Das Büro öffnete etwas später (natürlich, Warten waren wir ja schon gewohnt) und es dauerte eine weitere Stunde, bis ich drankam. Ich hatte Glück und konnte mir einen Platz sichern. Glücklicherweise hatten wir diese Liste erstellt, denn es gab viele, die versuchten sich vorzudrängeln, die Leute des ESN nahmen uns aber der Liste nach dran.

Die Reise begann Samstagmorgen um 7.30 Uhr, früh aufstehen war also angesagt. Wir fuhren knapp vier Stunden mit einem Reisebus an unser erstes Ziel: den Pferde-Wasserfall (cascada cailor) in Borșa. Wir fuhren zunächst mit einem etwas in die Jahre gekommenen Sessellift den Berg hinauf. Die Aussicht war fantastisch! Es war zwar schon Mitte Oktober, aber wir hatten super Wetter und Sonnenschein. Oben angekommen konnte man ins Tal und die anderen Berge sehen. Nach einer kurzen Pause teilten wir uns in zwei Gruppen auf, die eine blieb erstmal unten, die andere begann den Anstieg zum Wasserfall, welcher knapp eine halbe Stunde dauerte. Der Wasserfall war auch sehr hübsch anzusehen, wer wollte kletterte noch ganz nach oben, was eine ziemlich rutschige Angelegenheit war. Es lohnte sich aber für den Ausblick.

Dann ging es runter zum Verschnaufen und Mittagessen, während die zweite Gruppe zum Wasserfall lief. Es gab auch eine kleine Hütte, in der typisch rumänische Pfannkuchen mit verschiedenen Füllungen verkauft wurden und heiße Getränke. Da man nach der kleinen Wanderung ins Schwitzen gekommen war und ein kalter Wind wehte, sodass es nun recht frisch war, machten wir davon Gebrauch. Nachdem auch die zweite Gruppe wieder unten war, fuhren wir mit dem Sessellift wieder ganz nach unten und stiegen erneut in den Bus.

Als nächstes ging es nach Bârsana zum Kloster. Hier steht mit 57 Metern Höhe eine der höchsten Kirchen Rumäniens. Die Klosteranlage war sehr hübsch, wir hatten einen Guide, der uns herumführte und durften dann noch ein paar Minuten alleine umher schlendern. Es gab ein kleines Museum mit traditionellen rumänischen handgemachten Produkten, bereits erwähnte Kirche und einen tollen Sonnenuntergang.

Zum Ende des Tages fuhren wir in unsere Pension. Hier wurden wir mit einem typisch rumänischen Abendessen empfangen: Es gab eine Suppe zur Vorspeise, Fleisch, Kartoffeln und Krautsalat und traditionelle Live-Musik.

Ich hatte mich auf Sarmale gefreut, das beste rumänische Essen überhaupt. Es gab auch für jeden einen Shot Palinka, den landestypischen Schnaps. Ein Highlight war es, als der Raum abgedunkelt wurde und eine Geburtstagstorte mit Wunderkerzen hineingebracht wurde, da eine meiner Freundinnen Geburtstag hatte und es jemand gepetzt hatte. Sie war nicht ganz begeistert, als sie von 60 Menschen angestarrt wurde und ihr alle gratulierten, jedoch ist es ein unvergesslicher Geburtstag.

Da es weit und breit keine Bar oder einen Club gab, da wir in einem kleinen Dorf waren, sorgte die Pension für Unterhaltung, indem sie ein riesiges Lagerfeuer anzündete. Wer wollte konnte noch mehr Palinka käuflich erwerben, da wir aber am nächsten Morgen schon früh raus mussten, gingen wir zeitig ins Bett. Die Pension war kein Luxushotel, aber nach zwei Wochen im Wohnheim freuten wir uns wie verrückt über die bequemen Betten, dass man duschen konnte ohne das ganze Bad unter Wasser zu setzen (im Wohnheim gibt’s eine Badewanne ohne Duschvorhang) und die Vorhänge (gibt es auch nicht im Wohnheim).

Am nächsten Morgen gab es bereits um 8 Uhr Frühstück, statt Kaffee gab es stark gezuckerten Früchtetee, die Rumänen mögen es süß. Solchen Tee bin ich bereits von meiner rumänischen Oma gewöhnt, die mir gerne zwei bis vier Würfelzucker in eine kleine Tasse Tee schmeißt.

Nach einer kurzen Busfahrt gingen wir ins Muzeul Satului Maramureșan. Es ist ein Freilichtmuseum, in dem traditionelle Häuser aus verschiedenen Epochen ausgestellt sind. Manche kann man auch betreten und von Innen angucken, das Inventar ist teilweise noch original von früher. Ein Markenzeichen von Maramureș ist, dass die Tore, welche die Häuser bzw. Höfe umgeben, aus Holz sind und reich verziert sind mit Schnitzereien. Der Guide von gestern war wieder da und erklärte uns die Bedeutung einiger Symbole. Auch hier im Freilichtmuseum stand eine Holzkirche.

Anschließend fuhren wir in die Stadt Sighetu Marmației, wo wir Zeit zum Mittagessen hatten. Wir fanden einen Dönerläden, der auch Pizza verkaufte und alle waren glücklich. Nach dem Essen ging es weiter nach Săpânța zum Fröhlichen Friedhof (Merry Cemetery). Dieser Friedhof ist wirklich einmalig, er ist bunt und nicht so bedrückend wie manch andere Friedhöfe. Es gibt statt den klassischen Grabsteinen Holzplatten, die bunt bemalt sind mit einem Foto des Verstorbenen sowie einem Text, der von seinem Leben erzählt. Manche Leute verstanden wohl nicht, dass es ein Friedhof ist und posierten fröhlich neben den Gräbern, ist schließlich ein gutes Motiv für Instagram. Ich habe keine Fotos gemacht, die müsst ihr googlen. Auch hier stand eine sehr schöne Holzkirche. Außerhalb des Friedhofs war alles auf Tourismus ausgelegt, man konnte auf einem kleinen Markt rumänische Produkte kaufen (inklusive dem selbstgebrannten Palinka aus Plastikflaschen).

Die allerletzte Station war die Holzkirche (ja, die Holzkirchen sind überall) Poienile Izei. Sie wurde bereits im 17. Jahrhundert erbaut und gehört zum UNESCO-Kulturerbe (zusammen mit weiteren Holzkirchen aus Maramureș. Innen ist sie mit Fresken verziert und es gibt eine Glocke, die man offenbar direkt aus dem Inneren der Kirche läuten kann, da das Seil hinunterhing. Damit aber keiner von uns dran zieht, überwachte eine Nonne das Seil. Auch hier war der Guide dabei und erzählte uns viel über die Kirche.

Dies war der letzte Stopp, wir verabschiedeten den Guide und fuhren dann wieder circa vier Stunden nach Hause. Die Zeit im Bus verging aber, wie auch am Tag zuvor, sehr schnell, da alle sehr müde waren und schliefen. Bis auf die Tatsache, dass es wenig Schlaf gab, war der Trip sehr schön! Man lernte noch mehr Leute aus dem Erasmus kennen und sah einen anderen Teil Rumäniens. Maramureș unterscheidet sich doch sehr von Transsilvanien, wo Cluj-Napoca liegt. Auch hier hatte das Erasmus Student Network Cluj-Napoca tolle Arbeit geleistet.

Im Sommersemester gibt’s übrigens zum Abschluss der Intro Days einen Trip ans Schwarze Meer, das lohnt sich also auch.

Und ich hatte noch angekündigt, dass es zu Halloween einen Trip gibt, der auch vom ESN organisiert wurde. Hierzu kann ich aber leider nichts berichten, da ich keinen Platz bekommen haben. Ursprünglich sollte die Anmeldung genau wie beim Maramu’Trip erfolgen. Das Büro sollte wieder um 18 Uhr öffnen, und die ersten 100 hätten den Platz bekommen. Man muss aber dazu sagen, dass das Büro des ESN in einem Wohnheim liegt und es schon bei der Maramu’Trip Ärger und Enttäuschte gab, die mit dem System unzufrieden waren, da sie z. B. nicht zur Anmeldung kommen konnten, weil sie zur Uni mussten. Nachdem dann bereits schon um 12 Uhr über zehn Leute vor dem Büro campten und die ESN-Leute zu viel Lärm und Ärger befürchteten, änderten sie die Anmeldung kurzerhand. Es wurde um 17 Uhr ein Google Docs-Formular freigeschaltet; die ersten 100, die sich eintrugen, bekamen einen Platz. Die paar Leute, die bereits seit zwei Stunden vor dem Gebäude campten, waren natürlich sauer.

Um 17 Uhr saßen dann alle gespannt vor ihrem Laptop, einige während einer Vorlesung, andere im Wohnheim. Ich war im Wohnheim und die Aufregung war groß, es gab den ein oder anderen Freudenschrei, andere schrien aus Enttäuschung. Da ich mich zuerst in meinen Google-Account einloggen musste, füllte ich das Formular erst um 17:03 Uhr aus, da war es bereits zu spät. Bei meiner Mitbewohnerin z. B. klappte es auch nicht, da sie nicht einmal einen Google-Account besaß.

Tja, daher kann ich euch leider nichts von Halloween berichten. Die, die dort waren, waren auf jeden Fall sehr begeistert, aber auch sehr erschöpft, als sie zurückkamen. Es gab wohl jeden Abend eine Party und am nächsten Morgen ging es bereits um 8 Uhr weiter. Also habe ich nichts verpasst, dieses Pensum schafft mein Körper nicht, das sollen die jungen 21-jährigen machen.

In den nächsten Beiträge werde ich euch mal ein wenig über die Stadt Cluj-Napoca erzählen und über rumänisches Essen, auch ein guter Grund, über ein Erasmus hier nachzudenken!“

Kerstin

Ich bin Kerstin und studiere im fünften Semester empirische Politik- und Sozialforschung im Master. Nun gehe ich für ein Semester ins Erasmus nach Cluj-Napoca in Rumänien und werde euch hier einen Einblick ins osteuropäische Leben geben. Ich werde ab Oktober für ein Semester an der Fakultät für Politik-, Verwaltungs- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Babes-Bolyai in Cluj-Napoca studieren. Ich wurde von einer Kollegin im Internationalen Zentrum der Universität Stuttgart gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein bisschen darüber zu berichten, da es noch sehr unbekannt ist und es kaum Erasmus-Bewerber für Rumänien gibt. Hier werde ich euch alle zwei bis drei Wochen also etwas von meinem Erasmus-Austausch in Cluj-Napoca erzählen und euch Rumänien ein wenig vorstellen. Am Ende werdet ihr dann mehr kennen als nur Dracula und Transsilvanien

 

 

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