Heißer Draht zum Prof

Interaktive Vorlesung: Ein Studierender stellt seine Frage per Smartphone.

Am Institut für Software- Automatisierungstechnik (IAS) der Universität Stuttgart können Studierende in der Vorlesung direkt Kontakt zu ihrem Professor aufnehmen – über eine Smartphone-App, anonym und in Echtzeit.

Im Modul Softwaretechnik II am IAS: Vom Pult aus klärt Dr. Nasser Jazdi rund 30 Studierenden über das Thema künstlichen Intelligenz auf. Ein Student tippt auf seinem Smartphone herum. Keine SMS an Freunde, kein checken der neuesten Facebook-Posts. Im Gegenteil: der junge Mann steuert via Handy seinen Dozenten. Er klickt den Button „Langsamer“ auf der mobilen Webseite MOFIAS (Mobiles-Online-Feedback-System des IAS) an. Dr. Jazdi erhält auf dem Monitor in seinem Pult die Nachricht, dass er die Geschwindigkeit seiner Ausführungen etwas drosseln sollte.

Vier Funktionen

„Neben der Info zur Geschwindigkeit hat die derzeitige Version noch drei weitere Funktionen“, erläutert Andreas Friedrich, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IAS. Die Nutzer der Anwendung können Fragen oder Kommentare direkt vom Smartphone aus an den Dozenten stellen. Der bekommt diese auf dem Display am Pult angezeigt und entscheidet ob er sofort oder später darauf reagiert. Am Ende jedes Kapitels einer Vorlesung stellt die App den Teilnehmern inhaltliche Fragen, die beantwortet werden können. So sieht der Dozent gleich, ob das Publikum mitgekommen ist, oder noch Erklärungsbedarf besteht. Als vierte Funktion ist eine klassische Bewertung der Unterrichtseinheit am Ende möglich.

Besonders für große Gruppen

„Entstanden ist die Idee eigentlich in der Grundlagenvorlesung. Dort sitzen so viele, dass der Geräuschpegel Fragen der Zuhörer schwer verständlich macht. Außerdem sind manche Studierende auch gehemmt vor der großen Gruppe zu sprechen“, so Alexander Faul, der das Projekt mittlerweile betreut und weiterentwickelt. Seit Beginn des Wintersemesters 12/13 wird MOFIAS am Institut eingesetzt. Ähnliche Feedbacksysteme gibt es auch an anderen Unis. „Allerdings nutzen die meisten dafür extra Hardware, die man anschaffen muss. Da ja fast alle Studierenden ein Smartphone oder Laptop haben, fällt das bei MOFIAS weg“, so Friedrich.

Kaum anonyme Scherze

Missbräuchliche Anwendung der Funktionen – wie etwa „Spaßfragen“ – befürchten die beiden Wissenschaftler nicht. Ihre bisher damit gemachten Erfahrungen bestätigen das. „Die Studierenden wissen das System zu schätzen und wollen sich das nicht selbst kaputt machen“, sagt Faul. Mittlerweile interessieren sich auch andere Fachbereiche für die Anwendung. Ab dem Wintersemester wird MOFIAS in einer Informatikvorlesung eingesetzt. Weitere sollen folgen.

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Die über das Smartphone gestellte Frage bekommt der Dozent direkt auf sein Display (und das wiederum ist das „Tafelbild“) und kann darauf reagieren.

Die Zukunft: Ortsungebunden

Auch die Weiterentwicklung der App ist am IAS bereits in Arbeit: Die Vorlesungen werden künftig nicht mehr nur downloadbar, sondern sogar im Livestream abrufbar sein. Mit einem entsprechenden Code und der App müssen Studierende dann gar nicht mehr vor Ort sein, um Fragen zu stellen. „Damit kann jeder interaktiv an der Vorlesung teilnehmen – das einzige was benötigt wird, ist ein Internetanschluss“, schwärmt Faul.

~ Christina

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