Essen Essen Essen!

Ich bin Kerstin und studiere im fünften Semester empirische Politik- und Sozialforschung im Master. Nun gehe ich für ein Semester ins Erasmus nach Cluj-Napoca in Rumänien und werde euch hier einen Einblick ins osteuropäische Leben geben. Ich werde ab Oktober für ein Semester an der Fakultät für Politik-, Verwaltungs- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Babes-Bolyai in Cluj-Napoca studieren. Ich wurde von einer Kollegin im Internationalen Zentrum der Universität Stuttgart gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein bisschen darüber zu berichten, da es noch sehr unbekannt ist und es kaum Erasmus-Bewerber für Rumänien gibt. Hier werde ich euch alle zwei bis drei Wochen also etwas von meinem Erasmus-Austausch in Cluj-Napoca erzählen und euch Rumänien ein wenig vorstellen. Am Ende werdet ihr dann mehr kennen als nur Dracula und Transsilvanien

Wie versprochen, erzähle ich euch in diesem Beitrag etwas über rumänisches Essen. Ist aber irgendwie langweilig, da ihr das auch einfach googlen könntet, deshalb spreche ich mal über die Koch- und Essenssituation allgemein hier im Wohnheim und in Cluj-Napoca.

Kochen im Wohnheim ist etwas langwierig, wenn man zur falschen Zeit kocht. Wir teilen uns pro Stockwerk eine Küche, da das unterste Stockwerk aber keine Küche hat, sind es quasi fünf Stockwerke à ca. 30 Leute auf vier Küchen verteilt. Die Einrichtung ist mager, es gibt nur vier Kochstellen auf dem Gasherd, keinen Backofen oder sonstiges. Geschirr, Töpfe etc gab es leider auch nicht, also bringt euch das mit, falls ihr ins Wohnheim ziehen wollt, oder ihr macht hier erstmal einen Großeinkauf am ersten Abend und deckt euch mit den wichtigsten Sachen ein. Kocht man zu den Stoßzeiten, also ab 20 Uhr, kann es schon mal ein wenig voller sein und man muss warten, aber meistens bekommt man recht schnell einen Kochplatz. Um 23 Uhr wird die Küche abgeschlossen, wer sich also eine heiße Milch zum Schlafen gehen machen will, muss das vorher tun.

Wem das aber zu blöd ist mit dem Kochen, der kann in der Stadt essen. Die Stadt ist ein einziges Schlemmerparadies. Man könnte wahrscheinlich jeden Abend auswärts wo anders essen und hätte erst nach Monaten alles durch. Man läuft keine 50 Meter, ohne dass einem mindestens ein bis zwei Gelegenheiten, Essen zu kaufen, begegnen. Es gibt sehr viele Restaurants, von sehr schick bis Fast Food-Bude, und unzählige kleine Verkaufsfenster, in denen man Snacks kaufen kann. Ganz häufig vertreten sind hierbei Palaneți, das sind Teigtaschen, die aus Hefeteig gemacht sind und gefüllt sind mit Kraut (varză), Kartoffeln (cartofi), Pilzen (ciuperci), Käse (brânză), oder auch „süßem Käse“ (brânză dulce), also Quark. Man findet noch weitere Füllungen wie Schokolade oder Quark mit Rosinen, allerdings sind die besten Sachen immer schnell ausverkauft. Diese kleinen Taschen sättigen gut und kosten weniger als ein Euro.

Papanasi: lecker!

Häufig findet man auch „Fornetti“, das ist eine ungarische Marke, die kleine Blätterteigtaschen und Croissants für wenig Geld verkauft. Dadurch, dass sie so klein sind, kann man mehrere Füllungen probieren und sich eine Tüte zusammenstellen, die man dann nach Gewicht bezahlt.

Fast Food gibt’s auch in Cluj: Tatsächlich habe ich bisher nur einen McDonald’s entdeckt und einen Subway. Burger King gibt’s nicht. Dafür aber Shaorma an jeder Ecke. Ein beliebter Anlaufpunkt nach dem Club ist Sultans Döner, wo die Mitarbeiter gerne Scherze mit den Betrunkenen machen und die Musik extra laut aufdrehen für eine kleine After-Party oder Mama Manu, wo man super leckere Pommes mit Knoblauchsoße bekommt, rund um die Uhr. Es gibt auch einen 24h Supermarkt, in dem war ich mal nachts um 3 Uhr nach dem Club drinnen, weil eine meiner Bekannten unbedingt Apfelsaft wollte. Das war total neu, so spät nachts in einem Supermarkt zu sein. Die meisten Läden und Shopping Malls haben auch sonntags auf, auch das ist für mich immer noch faszinierend.

Um zurück zum Thema Essen zu kommen, muss ich die Food Courts in den Shopping Malls erwähnen. Es gibt zwei riesige Einkaufszentren (sie sind wirklich unglaublich riesig und man verläuft sich genauso leicht wie im Milaneo in Stuttgart). Die Food Courts sind riesig und sonntags ist es wirklich schwer, einen Platz zu ergattern, man hat das Gefühl die halbe Stadt macht einen Ausflug zum Shoppen und Essen.

In der ersten Woche haben wir einen Imbiss namens „La Piadina“ entdeckt und uns sofort verliebt. Man nimmt Piadina-Brot (sieht aus wie ein Wrap, ist aber etwas dicker), belegt es mit allerhand Zutaten und viel Käse, klappt es einmal zusammen und steckt es dann in einen Kotaktgrill – fertig ist das Piadina. Als ich zuhause dann ganz begeistert meiner italienischen Mitbewohnerin von meiner neuen Liebe erzählt habe, hat sie mir erklärt, dass Piadina aus Italien kommt und dass sie sie hasst, weil sie jahrelang in der Gastronomie gearbeitet hat und diese verkauft hat.

Wenn man aber doch mal mehr Zeit hat, dann kann man ausgiebiger essen gehen. Cluj ist für rumänische Verhältnisse eine teure Stadt, da hier so viele rumänische und internationale Studierende leben. Neben den vielen Erasmus-Studierenden gibt es auch viele internationale Studierende, die hier Medizin oder Tiermedizin studieren und länger bleiben. Verglichen mit deutschen Preisen ist es hier aber doch billiger. Ich habe z. B. mit meinem Freund hier mal in einem der etwas teureren Restaurants gegessen und für Suppe, zwei Hauptgerichte, Getränke und ein Glas Wein nur 30 Euro bezahlt.

Mein absoluter Favorit ist die Vărzărie. Varză heißt Kraut, das Restaurant heißt also übersetzt „Krauterie“. Hier gibt’s für wenig Geld sehr leckere Gerichte. Ein typisch rumänisches Essen sind Sarmale, das sind Krautwickel gefüllt mit Hackfleisch und Reis. Ähnliche Gerichte gibt’s auch in anderen Ländern, ich weiß. Die besten Krautwickel gibt’s aber nur in Rumänien, nämlich bei meiner Oma. Meine Freunde waren ganz begeistert von den Sarmale in der Vărzărie, nachdem ich aber einmal meine Oma besucht habe und ihre Sarmale mitgebracht habe, waren die Mädels beim nächsten Mal in der Vărzărie etwas ernüchtert. Für Vegetarier gibt es übriges Sarmale gefüllt mit Pilzen, es ist also für jeden was dabei.

Sarmale

Das typische Essen für Cluj besteht aus denselben Zutaten wie Sarmale, jedoch schneidet man das Kraut hier ganz klein und mischt es mit dem Fleisch und dem Reis. Das Ganze kommt dann in eine Auflaufform und wird überbacken. Das Gericht ist wirklich klasse und man sollte es unbedingt probieren, wenn man in Cluj ist. Ich habe bisher jeden meiner Besucher in die Vărzărie geführt und alle waren begeistert vom Varză à la Cluj.

Überall zu finden ist auch Ciorbă, so heißen hier die Suppen. Es sind keine klaren Suppen wie in Deutschland, sie basieren meist auf einer Mehlschwitze und haben viel Inhalt. Es gibt Ciorbă de Burtă, eine Suppe mit Schweinemägen, Ciorbă de Boabe (Bohnensuppe) oder Ciorbă de Perişoare, Suppe mit Hackfleischknödel (der Alptraum meiner Kindheit; ich war gar nicht begeistert, wenn es die zuhause gab). Ja, selbst in die Suppen kommt Hackfleisch hinein.

Eins der vegetarischen Gerichte hier ist ein Pilzeintopf mit Mamaliga (Polenta), die gibt’s hier auch in allen möglichen Varianten, z. B. Polenta geschichtet mit Käse, Polenta als Beilage zu den Sarmale und anderen Gerichten.

Maroni

Und wer gerne Süßes ist, der sollte unbedingt kommen. In der Cofetărie, also der Konditorei, gibt es massig Torten und Kuchen und das Stück kostet zwischen einem und zwei Euro. Auf den Fotos seht ihr die große Auswahl. Ein landestypisches Dessert ist Papanași, das ist Schmalzgebäck, welches wie ein Donut aussieht und frittiert wird und anschließend mit saurer Sahne und Marmelade übergossen wird. Und Esskastanien sind hier auch sehr beliebt, in jeder Konditorei findet man Kastanienpüree und auf der Straße kann man heiße Maronen kaufen (um einiges günstiger als auf deutschen Jahrmärkten).

In der Konditorei

So, das war jetzt nur ein kleiner Einblick in die rumänische Küche. Extra für diesen Blog habe ich mich manchmal dazu aufgerafft, mein Essen zu fotografieren. Normalerweise mache ich das nicht, weil es mir wirklich peinlich ist. Die rumänische Küche ist deftig und sehr lecker. Und wer Lust auf anderes hat, der findet hier auch sehr viele italienische Restaurants und einige asiatische Restaurants. Als Vegetarier hat man in den traditionellen rumänischen Restaurants zwar nicht die riesige Auswahl, aber man wird immer fündig. Es gibt aber auch mehrerer Restaurants oder Imbisse in Cluj, die nur vegetarische Gerichte anbieten. Man wird also in Cluj wirklich immer fündig und muss niemals hungrig ins Bett.

 

Viele Grüße von Kerstin!

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