Lernpläne im Studium: Schluss mit Planlosigkeit

Verzetteln war gestern – heute wird geplant!
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Die Klausurenphase kommt jedes Semester so zuverlässig wie das Amen in der Kirche. In der heißen Phase kurz vor der ersten Prüfung verfallen trotzdem nicht wenige Studierende in blinden Aktionismus, der mit einem hohen Stresslevel einhergeht: Sie prügeln sich unter dem Verzicht auf Schlaf, ausgleichende Freizeitaktivitäten und/oder das Pflegen sozialer Kontakte aufgrund hohem Zeitdruck möglichst viel Wissen ein. Und das Semester für Semester bis zum Abschluss. Klingt machbar, aber zu welchem Preis? Deshalb mein Alternativvorschlag: Wie wäre es anstelle von kurzfristigem Bulimie-Lernen mit einem Lernplan, der euch dabei hilft, die schier endlose Menge an Prüfungsstoff besser zu managen? 

Lernen ist nicht gleich Lernen

Die schlechte Nachricht zuerst: Ihr müsst in Vorleistung gehen. Die gute Nachricht lautet: Lernpläne sind besser als ihr Ruf.

Wenn ihr gerade euer Abitur bestanden habt und vielleicht sogar ohnehin eher weniger Zeit und Aufwand fürs Lernen investieren musstet, kann euch die Umstellung von der Schule auf die Fachhochschule oder Universität zumindest am Anfang schwerfallen. Auch wenn ihr im Studium idealerweise nicht (oder zumindest nicht ausschließlich) für die Noten lernt, ist es dennoch wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass beinahe jede einzelne Note (wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung) in eure Abschlussnote einfließt und über den Zugang zum weiterführenden Studium entscheiden kann.

Gerade die ersten beiden Semester stellen an vielen Hochschulen eine erste Hürde dar, an der nicht wenige Studierende scheitern: Sie sind bekannt als sogenannte Aussiebesemester und dienen buchstäblich dazu, die Reihen der Neu-Studierenden auszudünnen. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, sich möglichst frühzeitig von schulischer Lernleistung auf universitäre Lernleistung umzustellen. Je nach eigener Vorerfahrung kann es sogar notwendig sein, das Lernen neu zu lernen.

Was ist ein Lernplan und wozu ist er sinnvoll?

Versuchen wir ein kleines Gedankenexperiment: Stellt euch vor, ihr befindet euch auf einer spannenden Reise. Ihr kennt zwar grob das Ziel, habt aber keine Ahnung, wie ihr dort ankommen sollt. Gleichzeitig wisst ihr aber, dass ihr nur über eine begrenzte Zeit verfügt, um rechtzeitig an eurem Ziel anzugelangen. Was also tut ihr? Planlos drauflosmarschieren und hoffen, dass irgendwie alles gut geht? Oder werft ihr vorher einen Blick in ein paar Karten – analoge oder digitale – und verschafft euch einen Überblick über die beste Route (und mögliche Alternativen, falls diese Route gesperrt oder aus anderen Gründen nicht passierbar sein sollte)?

Der Lernplan als Landkarte.
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Ein Lernplan erfüllte eine ähnliche Funktion. Ihr könnt ihn euch ganz old school als eine Karte oder einen Kompass (oder die Kartenapp auf eurem Smartphone) vorstellen, die euch den Weg ins Ziel weist. Der große Unterschied: Ihr seid die Kartenschreiber, die Kartenleserinnen und -leser und die Reiseleitung in einem. Denn schließlich kennt ihr alleine kennt euer Tempo, eure Ausdauer und Fitness und wisst um eure bisherigen Vorerfahrungen aus der Schulzeit und aus vergangenen Semestern. Ihr alleine wisst, ob und welche Erfahrungen ihr auf vorigen Touren gesammelt habt; ob ihr daraus Konsequenzen gezogen habt oder nicht, das wiederum steht auf einem anderen Blatt.

Darum hilft es auch nur bedingt weiter, wenn eine andere Person euch den Weg vorgibt. Sie kann allenfalls ein paar Anregungen geben, die Marschroute aber legt letztendlich ihr selbst fest.

Wie kann so ein Lernplan aussehen?

Alles auf Anfang.
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Pünktlich zum Beginn jedes Semesters taucht aufs Neue der Gedanke auf, es dieses Mal ganz anders angehen zu wollen. Doch spätestens nach den ersten vier Wochen verpuffen selbst die besten Vorsätze und räumen das Feld für den gewohnten Trott aus Prokrastination und Haurucklernaktionen (gerne auch beides im ständigen Wechsel). Falls ihr es dieses Mal anders angehen wollt, etwa, um eure Nerven zu schonen und die Zeit effektiver zu nutzen, denn viel hilft nicht unbedingt viel.

Wege nach Rom führen viele – und mindestens ebenso viele Möglichkeiten gibt es, Lernpläne zu erstellen. Eine Variante ist der 5-Schritte-Lernplan, den ich euch vorstellen möchte. Die folgenden 5 Schritte unterstützen euch dabei, den Lernstoff zu strukturieren, eure Zeit besser einzuteilen, einen realistischen Blick auf das Machbare (und Unmögliche) zu bewahren und dabei den Kurs aka Lernziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Schritt 1: Überblick gewinnen

Zunächst einmal ist es wichtig, sich einen groben Überblick über die zu bewältigende Stoffmenge zu verschaffen. Wenn ihr besonders effizient vorgehen wollt, unterteilt ihr den Stoff in prüfungsrelevant und -irrelevant bzw. „netter Bonus, wenn die Zeit ausreicht“.

Schritt 2: Prüfungsmodalität(en) klären

Nach dem ersten groben Überblick solltet ihr so bald wie möglich herausfinden, auf welche Weise der Prüfungsstoff abgefragt wird. Handelt es sich um Multiple-Choice-Fragen, habt ihr es mit halboffenen oder offenen Fragen zu tun? Müsst ihr Berechnungen aufstellen, Formeln herleiten oder euch kritisch mit einem oder mehreren wissenschaftlichen Texten auseinandersetzen? Je nachdem müsst ihr eure Lernstrategien adaptieren und nach Möglichkeit so nah wie möglich an den potenziellen Klausurfragen üben. Reines Durchlesen und Abrufen funktionieren nur, wenn ihr über ein eidetisches* Gedächtnis verfügt.

Schritt 3: Tages- und/oder Wochenplan erstellen

Zwischen Erfolg und Misserfolg liegt ein schmaler Grat.
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Erstellt einen Wochenplan (noch besser wäre natürlich ein Tagesplan) und teilt euch die zu lernenden Inhalte ein. So behaltet ihr den Blick über die noch verbliebene Stoffmenge und könnt zeitgleich überprüfen, ob eure Planung aufgeht oder ihr nachjustieren müsst.

Neben Pausen solltet ihr stets zeitliche Puffer einplanen, falls euch etwas Unerwartetes bzw. Ungeplantes dazwischenkommt – ihr werdet krank, kommt nicht so schnell voran wie erwartet und/oder unterschätzt die Zusatzbelastung durch Pendeln oder Nebenjobs.

Schritt 4: Exzerpieren und Wiederholen

Schritt 3 und 4 hängen eng zusammen und beziehen sich direkt aufeinander: Zusammenfassungen zu erstellen und sie einfach nur immer wieder durchzulesen, ist in der Regel keine besonders effektive Methode. Deshalb solltet ihr parallel zum Exzerpieren Wiederholungsphasen einplanen – und zwar bereits während des laufenden Semesters (es sei denn, ihr gehört zu den Wenigen, die sich innerhalb von Tagen den Stoff eines ganzen Semesters ins Hirn prügeln können – Stichwort Bulimielernen). Wenn ihr allerdings langfristig von dem erlernten Stoff profitieren wollt, weil es sich etwa um Aufbauwissen handelt, solltet ihr Wiederholungen in eure Lernroutine integrieren, damit die Informationen im Langzeitgedächtnis verankert werden können.

Schritt 5: Prüfung(en) simulieren

Ihr seid die ewigen Lernschleifen mittlerweile leid? Prima, dann wird es Zeit für den finalen (Lern-) Schritt – das Üben unter Prüfungsbedingungen! Wie soll das konkret aussehen? Im Idealfall habt ihr Zugriff auf Klausurprotokolle vergangener Semester und/oder ihr bekommt eine (oder mehrere) Probeklausur(en) bzw. Testate gestellt – wenn das nicht möglich ist, bastelt euch eine eigene Klausur zusammen. Und dann simuliert ihr die Prüfungssituation, d. h. ohne Hilfsmittel/Lernunterlagen (es sei denn, sie sind explizit in der Klausur zulässig) und unter Zeitdruck. Denn es genügt nicht, einfach nur den Stoff zu beherrschen, man muss ihn zusätzlich innerhalb kürzester Zeit abrufen und wiedergeben können. Genau an diesem letzten Schritt scheitert es oft – und zwar in der Regel an Zeitgründen in der Klausur, dem Unterschätzen des Zeitdrucks während der Prüfung und/oder ungünstiger Planung bereits während der Vorbereitung auf die Prüfung(en).

Hilfreiche Gedanken rund ums Lernen

Ein weiterer Faktor, der das Lernen beeinflusst, umfasst eure Gedanken und die damit verbundenen Einstellungen zum Thema Lernen und den konkreten Lerninhalten. Wenn euch etwa der bloße Gedanke an die Lernunterlagen mit Widerwillen erfüllt und ihr eher eure Wohnung von Grund auf sanieren würdet, als einen Blick in eure Bücher zu werfen, dann ist die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Sinneswandels gering. Zumindest solange, bis es brennt. Buchstäblich.

Studieren und Lernen als Marathon: Reserven einteilen!
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Gerade bei umfangreichen Prüfungen, die unter Umständen den Stoff eines oder mehrerer Semester abfragen, kann es hilfreich sein, sich den Lernprozess und das Ablegen der Prüfung(en) als einen Marathonlauf vorzustellen. Dafür müsst ihr weder selbst Marathon laufen noch überhaupt joggen (mögen). Es kommt vielmehr auf die Haltung der Marathonläuferinnen und -läufer an: Wer einen Marathon läuft, muss im Vorfeld einiges an Training absolvieren – und tut während des Laufes gut daran, sich seine Kräfte einzuteilen und mit seinen Reserven gut hauszuhalten.

Wer direkt zu Beginn alle Reserven verpulvert, wird mit großer Wahrscheinlichkeit spätestens kurz vor dem Ende schwächeln oder – wenn er bzw. sie doch bis zum Schluss durchhält – anschließend erst einmal physisch und/oder mental zusammenklappen.

Deshalb gilt: Kontinuierlich etwas fürs Studium zu tun sorgt für weniger Druck und Stress am Ende des Semesters, wobei kontinuierlich nicht zwangsläufig bedeutet, jeden Tag stundenlang vor- und nachzubereiten, ganz im Gegenteil. Es bedeutet vielmehr, konsequent am Ball zu bleiben, einen Überblick über die jeweiligen zentralen Semesterinhalte zu gewinnen (und zu behalten) – und schließlich auch darum, es gut durchs gesamte Studium zu schaffen.

In diesem Sinne: Alles Gute fürs Studium!

Romy

*fotografisches

Liebt Literatur und Psychologie. Hat einen Master in Germanistik und studiert Psychologie im Zweitstudium, um beide Leidenschaften zu vereinen. "Das Leben ist wert, gelebt zu werden, sagt die Kunst, die schönste Verführerin; das Leben ist wert, erkannt zu werden, sagt die Wissenschaft." (F. W. Nietzsche)

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