Wie reagieren marine Ökosystem auf Veränderungen? Wie können wir sie schützen und erhalten? Diesen Fragen gingen wir – 16 Studierende der Universitäten Stuttgart, Ulm und Hohenheim – in Ägypten auf den Grund. Bevor es für uns Ende Juli 2026 nach Soma Bay ging, beschäftigten wir uns im Seminarmodul „Marine Biodiversität und Ökologie“ mit der Vielfalt mariner Ökosysteme sowie dem Leben in den Korallenriffen und Seegraswiesen des Roten Meeres.
In Ägypten angekommen, erkundeten wir neun Tage lang die artenreichen Lebensräume der Küste, bestimmten Tiere in ihrem natürlichen Habitat und wandten moderne Untersuchungsmethoden der marinen Ökologie direkt an. Organisiert und wissenschaftlich betreut wurde das Praktikum von Prof. Ralph Schill, der uns bereits im Sommersemester in mehreren Vorbereitungsterminen auf die Arbeit im Feld einstimmte. Neben der fachlichen Einarbeitung standen dabei auch Sicherheitsunterweisungen und die Regeln für ein rifffreundliches Verhalten im Wasser auf dem Programm.
Tägliche Theorie, Experten-Referate und wissenschaftliche Praxis
Jeden Tag erarbeiteten wir uns in Theorie-Einheiten Fachwissen über die unterschiedlichen Meeresbewohner des Riffs. In 30-minütigen Referaten, die wir in Zweierteams hielten, teilten wir unser Wissen mit der Gruppe: Über die Lebensweise im Roten Meer vorkommender Meeresschildkröten, Fische, Delfine sowie der Haie – letztere ließen sich leider nicht vor Ort blicken – und deren biologischen Verhaltensweisen.
Besonders spannend war es, die Rotmeer-Anemonenfische Amphiprion bicinctus in ihrem Sozialverhalten zu beobachten. Faszinierend war auch das Augenmuster des Falterfisches, der damit seine Fressfeinde täuscht. Und der Drückerfisch Chaetodontidae gab für uns sein revierverteidigendes Verhalten zum Besten.
Direkt im Anschluss an die Referate ging es mit Schnorchel, Maske und Unterwasserkamera ins Meer. Wir suchten die besprochenen Arten, beobachteten ihr Verhalten, dokumentierten Interaktionen und bestimmten Organismen in ihrem natürlichen Habitat. In kleinen Gruppen führten wir vertiefende Freilandstudien durch und wirkten aktiv an einem Riff-Monitoring mit.
Jenseits des Korallengartens: Seegraswiesen und Delfinschutz
Neben den klassischen Korallengärten widmeten wir uns weiteren faszinierenden und bedrohten Lebensräumen der ägyptischen Rotmeerküste:
In den sandigen Buchten setzten wir uns intensiv mit dem Ökosystem der Seegraswiesen auseinander. Während einer mehrstündigen Schnorchel-Tour hatten wir das große Glück, Grüne Meeresschildkröten Chelonia mydas beim Fressen zu begleiten und aus nächster Nähe zu beobachten.
Auf einem ganztägigen Bootstrip ab El Gouna begleiteten wir die Forschungsarbeiten von Angela Ziltener, Wissenschaftlerin und Vorstand in der Dolphin Watch Alliance (DWA), mit der die Uni Stuttgart eng kooperiert. Das Ziel ihrer Arbeit ist ein respektvoller, regulierter Wildtiertourismus. Nach längerem Suchen nach Delfinen wurden wir am späten Nachmittag belohnt: Eine Gruppe Indopazifischer Großer Tümmler Tursiops aduncus zog nah an uns vorbei, als sie gerade aus ihrer Ruhephase erwachte.
Auch unsere Abende standen im Zeichen der Wissenschaft und der Gemeinschaft: Nach den Ausfahrten sortierten wir Fotos, glichen Beobachtungen ab und dokumentierten die Daten. Der fachliche Austausch im Team festigte das Wissen aus den täglichen Vorträgen nachhaltig.
Warum Feldarbeit die Theorie im Studium ideal ergänzt
Am Roten Meer haben wir erlebt, wie Wissenschaft plötzlich greifbar wurde. Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten, ist faszinierend und nachhaltig beeindruckend. Es führt einem vor Augen, wie sensible marine Ökosysteme auf Veränderungen reagieren. Genau dafür sind praktische Erfahrungen im Studium so wertvoll: Sie machen Theorie lebendig und zeigen, warum der Schutz der Meere so wichtig ist und welchen Beitrag Forschung dazu leisten kann. Die Begegnungen mit Schildkröten und Delfinen und das gemeinsame Arbeiten im Team werden uns allen noch lange im Gedächtnis bleiben – zweifellos sogar länger als so manche Vorlesung im Hörsaal.
Kim
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