Zu Beginn meines Studiums dachte ich: Das dauert fünf Jahre für Bachelor und Master, genau wie von der Uni vorgesehen, und dann kann ich anfangen zu arbeiten. Gegen Ende meines Masterstudiums habe ich jetzt etwas mehr als sieben Jahre Studienzeit hinter mir – und würde es genauso wieder machen.
Die Regelstudienzeit
Die Regelstudienzeit wird in der Prüfungsordnung definiert. Alles ist schön in ECTS-Credits eingeteilt, wodurch man ganz einfach die vorgesehene Arbeitszeit für jeden Kurs ausrechnen kann – klingt total simpel und praktisch. Die tatsächliche Studienzeit der Absolvent*innen weicht aber meistens von der Regelstudienzeit ab. Hier zeigt sich, wie die Realität von der Planvorstellung abweicht – und das muss gar nicht negativ sein. Einerseits lernt jeder unterschiedlich schnell und manchmal muss auch mal eine Prüfung wiederholt werden, wodurch dann evtl. ein Semester Studienzeit extra dazukommt. Allerdings plant die Regelstudienzeit auch nicht mit Aktivitäten neben dem Studium. Praktika, Werkstudententätigkeiten, studentische Gruppen und weitere Projekte nehmen oft viel Zeit in Anspruch. Das führt dann häufig zu einer längeren Studienzeit, bietet aber oft einen großen Mehrwert.
Der Unterschied zwischen Bachelor und Master
Zugegeben, man muss im Studium etwas nach der jeweiligen Situation unterscheiden. Im Bachelorstudium empfand ich es beispielsweise als sinnvoll, das Grundstudium weitestgehend nach dem empfohlenen Studienplan abzuschließen. Hat man einmal seine Lerngruppe gefunden, profitiert man enorm vom gegenseitigen Wissensaustausch und dem gemeinsamen Lernen, wenn man mit seinen Mitstudierenden im gleichen Rhythmus ist. Im Masterstudium hingegen hat man deutlich mehr Freiheiten, kennt sich besser aus und hat dadurch die Möglichkeit sein Studium viel individueller zu gestalten.
Was sollte man neben dem Studium noch ausprobieren?
Das Studium bietet die perfekten Rahmenbedingungen, um andere Dinge auszuprobieren. Selten stehen dir im Leben so viele Möglichkeiten gleichzeitig offen. Du kannst zum Beispiel für 1-2 Semester im Ausland studieren, durch ein Praktikum oder als Werkstudent schon mal in den Traumberuf hineinschnuppern und gleichzeitig etwas Geld verdienen. Eine weitere Sprache lernen, im Maker Space deine eigenen Projekte umsetzen, bei Formula Student gegen andere Unis antreten, in der Fachschaft unterstützen oder als studentische Hilfskraft jüngere Semester unterrichten.
All das und mehr ist jetzt möglich und später im Berufsleben nicht mehr so einfach umzusetzen. Deshalb macht es Sinn, sich dafür Zeit einzuplanen, auch wenn man dadurch vielleicht etwas länger studiert.
Weitere Aspekte wie die Finanzierung des Studiums durch einen Nebenjob können auch eine wichtige Rolle spielen, die innerhalb der Regelstudienzeit nicht geeignet abgebildet sind. Außerdem gehört es meiner Meinung nach auch zum Studium dazu, die Zeit etwas zu genießen und zum Beispiel die ein oder andere Party zu besuchen.
Vorteile beim Berufseinstieg, wenn man nicht nur nach Plan studiert
Wirft man einen Blick auf die Stellenangebote verschiedener Unternehmen, wird schnell klar, dass die Anforderungen selbst für Berufseinsteiger*innen deutlich über ein normales Studium hinausgehen. Um sich von anderen Bewerber*innen abzuheben, sind nicht nur gute Noten entscheidend. Mit Auslandserfahrung und ersten praktischen Tätigkeiten im Lebenslauf, kann man neben der fachlichen Ausbildung an der Universität auch einschneidende Lebenserfahrung und weitere Qualifikationen vorweisen – und diese sind teilweise wichtiger als nur bessere Noten. Dazu zählt unter anderem auch soziales Engagement. Die Studienzeit spielt üblicherweise nur eine untergeordnete Rolle.
Deine individuelle Entscheidung
Finanziell gesehen ist ein kurzes Studium am lukrativsten. Du steigst früher ins Berufsleben ein, hast dadurch geringere Ausgaben durch die kürzere Studienzeit und verdienst auf lange Sicht einfach mehr Geld. Das Berufsleben ist nach dem Studium aber ohnehin lange genug. Meiner Meinung nach sollte man während des Studiums die Chance nutzen, seine Interessen auch neben dem Unialltag auszuleben und die vielfältigen Möglichkeiten, die geboten werden ausprobieren.
Ein Studium an der Universität hat zwar Vorgaben, letztendlich können die Studierenden aber selbst entscheiden, wie sie diese umsetzen möchten. Es ist also sinnvoll, sich zu überlegen, welche Vorschläge man für sein Studium annimmt und wo man es individueller gestalten möchte.
Johannes
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