Aber was machst du später mal damit?

Studierende der Geisteswissenschaften müssen sich häufiger als ihre Kommilitonen aus anderen Fachbereichen für ihre Studienwahl rechtfertigen und Fragen über Berufsziele beantworten. Die Ursache für die Fragerei liegt allen voran in der Unwissenheit über diese Studiengänge.

Studierende der Geisteswissenschaften müssen sich häufiger als ihre Kommilitonen aus anderen Fachbereichen für ihre Studienwahl rechtfertigen. Die Frage nach dem späteren Beruf kommt in jedem Gespräch direkt nach der Frage, was denn studiert wird. Nicht alle haben darauf sofort eine Antwort, denn man hat nach einem geisteswissenschaftlichen Studium eine so große Zahl an Möglichkeiten, dass sich viele Studierende diese offen halten und sich noch nicht festlegen wollen.

Die Ursache für die Fragerei der Familie und der Gesellschaft liegt allen voran in der Unwissenheit über diese Studiengänge. Welche Inhalte und Fähigkeiten vermittelt werden ist meist genauso wenig bekannt wie die möglichen Berufsfelder und Qualifikationen, die Absolventen*innen mitbringen. Aufklärung ist hier also gefragt! Auch die Unsicherheit über die berufliche Zukunft der Studierenden selbst bedarf Unterstützung. An der Universität Stuttgart bietet Simon Demel von der zentraleren Studienberatung speziell dazu Sprechstunden an in denen er über mögliche Tätigkeitsbereiche und die Wege dorthin aufklärt. Auf seiner Website findet man außerdem eine Praktikumsbörse.

Viele Wege führen nach Rom

Die möglichen Berufsfelder von Geisteswissenschaftler*innen sind kaum einzugrenzen und sie einzeln aufzuzählen ist schier unmöglich. Neben zukünftigen Journalist*innen und PR-Berater*innen gibt es auch Studierende die einfach in ihrem Fach aufgehen und so eventuell in der Forschung landen und an Universitäten bleiben.

Es lässt sich kein einzig richtiger Weg in die Berufswelt definieren, dafür sind die Studiengänge viel zu breit aufgestellt. Das hat Vor- und Nachteile. Natürlich wäre es hilfreich bestimmte Richtlinien zu kennen, einen Weg, an dem man sich orientieren kann. Auf der anderen Seite kann so jede*r für sich entscheiden in welchem Tempo er oder sie in welche Richtung gehen möchte. Außerdem gewinnen Studierende auf diese Weise Fähigkeiten wie Selbstständigkeit und auch Frustrationstoleranz, denn manche Wege enden eben in einer Sackgasse.

Grundsätzlich sollte man sich als Student*in der Geisteswissenschaften schon früh mit den verschiedenen Möglichkeiten auseinandersetzen, denn viele Tätigkeitsfelder von zukünftigen Geisteswissenschaftler*innen erfordern praktische Erfahrung. Da die Universität Stuttgart leider in den meisten geisteswissenschaftlichen Studiengängen kein Praktikumssemester vorsieht, sollten sich die Studierenden selbstständig Gedanken machen, ob sie nicht doch freiwillig ein Praktikum in Erwägung ziehen. Die praktische Erfahrung kann helfen, bei späteren Arbeitgebern hervorzustechen und unterstützt bei der eigenen Berufsfindung. Ausprobieren ist also das A und O, nur so findet man seine eigenen Vorlieben und eventuell sogar den Traumjob.

In jedem Fall sollte man sich als Studierende*r auf sich selbst konzentrieren und sich nicht mit anderen vergleichen und vor allem die Kritik und Vorurteile des Umfelds ausblenden. Auch wenn geisteswissenschaftliche Studiengänge in den meisten Fällen nicht praxisordiniert sind, lernt man doch unzählige Softskills, die genauso wertvoll sein können. Der Weg in die Berufswelt ist immer individuell.

Das breitaufgestellte Bachelorstudium lässt sich in den Geisteswissenschaften in den meisten Fällen hervorragend durch einen Masterstudiengang konkretisieren. Auch beim Thema Masterstudium gibt es in den Geisteswissenschaften keinen perfekten Weg. Je nach Belieben kann ein theoretischer, praxisorientierter oder eben gar kein Master angehängt werden. Während manche Branchen einen Master voraussetzen, reicht für andere ein Bachelor völlig aus. Anderen wiederum ist praktische Erfahrung wichtiger.

Fakt ist, dass geisteswissenschaftliche Studiengänge auf keinen Fall abgewertet werden dürfen. Auch wenn der Weg uneben und machmal ohne Ziel scheint, bringt er die Studierenden doch am Ende immer dahin, wo sie vermutlich hingehören. In unserer Gesellschaft fehlt es leider an vielen Stellen noch an der Anerkennung, die Geisteswissenschaftler*innen verdienen und dafür ist Aufklärung wichtig. Auch einen Bachelorabschluss in Philosophie bekommt man nicht hinterher geschmissen und auch ein Studium der Medienwissenschaft kann einen ähnlichen Aufwand haben wie ein Medizinstudium.

Anna Fritz

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