Three guys (two men and a woman) walking down a hall way talking to each other.

Wie du während des Studiums praktische Erfahrungen sammelst

Studieren bedeutet nicht nur Theorie. Arya weiß, warum auch praktische Erfahrung wichtig ist und teilt hier seine Erfahrungen.

Meiner Meinung nach ist das Studium nur der erste Schritt. Ein Abschluss garantiert weder Erfolg im Leben noch in der Karriere. Um wirklich erfolgreich zu werden, musst du viele weitere Schritte gehen, die an der Uni nicht so im Vordergrund stehen. Soft-skills sind ein wichtiger Faktor bei der Jobsuche.

Die unbequeme Wahrheit lautet: Wenn du dich nach dem Abschluss bei Unternehmen bewirbst, sucht fast niemand einen „Junior", der die Arbeitswelt gerade erst kennenlernt. Viele Studierende fragen sich später: „Warum hat mir niemand gesagt, wie wichtig echte Praxiserfahrung im Studium ist?"

Ich rede nicht von einem Nebenjob als Kellner oder als beliebige Hilfskraft, nur um Geld zu verdienen. Das ist völlig in Ordnung, bringt deine Karriere aber nicht wirklich voran. Ich meine echte Berufserfahrung.

Halte Ausschau nach einer Hiwi-Stelle

Als internationaler Student in Deutschland habe ich selbst als Kellner angefangen. Das Gehalt und die Trinkgelder waren gut, aber ich hatte immer im Hinterkopf, dass es nur eine Übergangslösung war. Das war nicht mein Ziel. Der nächste logische Schritt ist eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft (Hiwi). Solche Stellen werden häufig auf den Websites der Institute, auf Stellenwerk oder über das Studierendenwerk ausgeschrieben. Sie sind begehrt, weil die Arbeitszeiten flexibel sind und man einen guten Eindruck davon bekommt, wie an der Uni gearbeitet wird.

Sei proaktiv – frag einfach nach!

Wichtig zu wissen: Manchmal haben Dozentinnen, Dozenten oder Professorinnen und Professoren Hiwi-Stellen, die noch gar nicht auf der Website des Instituts veröffentlicht wurden. Mein Tipp daher: Warte nicht auf eine Stellenausschreibung. Geh direkt auf deine Lehrenden zu. Sprich sie nach der Vorlesung an und frag proaktiv nach Hiwi-Möglichkeiten und zeige Interesse. Das zeigt Initiative und genau das hebt dich von anderen ab.

Gib nicht auf, nach einem Praktikum oder einer Werkstudentenstelle zu suchen. Bleib dran – deine Ausdauer wird sich auszahlen.

Der nächste Schritt: eine Werkstudentenstelle

Hiwi-Jobs sind gut, aber du kannst noch einen Schritt weitergehen: Bewirb dich als Werkstudent*in direkt in deiner Branche. Aus eigener Erfahrung kann ich dir eine grobe Orientierung geben: Bewerbungen sind ein Zahlenspiel. Du schickst 50 Bewerbungen ab, bekommst vielleicht fünf positive Rückmeldungen und daraus entstehen ein bis zwei Angebote, wenn überhaupt. Das ist die Realität.

Lass dich von Absagen aber nicht entmutigen. Am Anfang tut das weh und ist frustrierend, das kenne ich aus eigener Erfahrung. Wenn du gar keine positiven Rückmeldungen bekommst, empfehle ich dir, eine Feedback-E-Mail zu schreiben: Antworte denjenigen, die dich ohne Vorstellungsgespräch abgelehnt haben. Bedanke dich für die Rückmeldung und bitte um ehrliches Feedback zu deinen Bewerbungsunterlagen. Nicht immer erhältst du eine aufrichtige Antwort, aber manchmal liefert das wertvolle Hinweise darauf, was du beim nächsten Mal besser machen kannst.

Zeige Einsatz

Du hast eine Werkstudentenstelle gefunden – gut. Jetzt kommt es darauf an, wie du diese Chance nutzt. Die Aufgaben sind oft klar umrissen und überschaubar. Homeoffice und flexible Arbeitszeiten machen den Job bequem, aber sie ersetzen nicht das, was du nur vor Ort lernst: das Umfeld, die Unternehmenskultur, den echten Arbeitsalltag. Sei deshalb so oft wie möglich persönlich dabei.

Halte außerdem die Augen offen: In vielen Unternehmen gibt es Aufgaben, die niemand so richtig anfassen will – sie wandern von Abteilung zu Abteilung, ohne dass sich jemand verantwortlich fühlt. Genau das sind deine Momente. Wer hier anpackt, lernt am meisten und zeigt gleichzeitig, dass er selbstständig und verlässlich arbeitet.

Mein Rat: Erledige nicht nur, was von dir verlangt wird. Schau hin, wo es hakt, wo Lücken sind, wo Prozesse nicht funktionieren. Wer die Schwachstellen einer Branche kennt, weiß auch, welche Fähigkeiten wirklich gefragt sind – und kann sich gezielt dorthin entwickeln.

Praktika nicht vergessen

In meinem Studiengang gab es ein Pflichtpraktikum von mindestens drei Monaten in Vollzeit. In vielen Programmen ist das jedoch nicht vorgeschrieben. Trotzdem: Nutze diese Möglichkeit. Bewirb dich für Praktika – am besten in einer anderen Stadt oder sogar im Ausland. Das hebt deinen Lebenslauf auf ein ganz anderes Niveau. Der einzige Wermutstropfen ist, dass Praktika meist schlechter als Mindestlohn bezahlt werden. Aber genau wie als Werkstudent gilt auch hier: Verstehe das Unternehmen, die Kultur sowie die Herausforderungen und Schmerzpunkte. Entwickle Lösungsansätze oder eigne dir die Fähigkeiten an, mit denen du diese Lücken schließen kannst.

Arbeitszeugnisse 

Bitte am Ende jedes Engagements – ob Hiwi-Job, Werkstudentenstelle oder Praktikum – um ein Arbeitszeugnis. Sag deiner Führungskraft ruhig direkt, welche Aspekte dir besonders wichtig sind und betont werden sollen. Ein gutes Zeugnis ist mehr als eine Formalität: Es stärkt dein Profil bei späteren Bewerbungen gezielt und glaubwürdig.

Kurz zusammengefasst

Das Studium legt das Fundament – mit Theorie und, je nach Programm, auch mit praktischen Elementen. Aber zusätzliche Berufserfahrung in der echten Arbeitswelt musst du dir selbst holen. Warte nicht auf deinen Abschluss. Die Herausforderungen beginnen heute.

 

Arya

 

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