Eine herzliche Begrüßung

Festumzug in Cluj

Ich heiße Kerstin und mache ein Semester Austausch mit Erasmus in Rumänien. Hier habe ich von meinen Beweggründen erzählt. Die ersten Wochen sind nun vorbei. Es gibt so viel zu erzählen, denn es war viel los! Die ersten beiden Wochen standen unter dem Motto der Intro Days. Allein das ist schon ein Grund für ein Erasmus hierherzukommen.

Das Erasmus Student Network Cluj, kurz ESN, hat sich so viel Mühe bei der Planung gegeben und die ersten beiden Wochen waren voller Veranstaltungen. Der ESN schickte uns einige Wochen vor Beginn des Austauschs eine Mail, in der wir der Facebook-Gruppe und einer WhatsApp-Gruppe mit allen Erasmus-Teilnehmern beitreten konnten. Das war super, da man sich so bereits kennenlernen konnte und in den ersten Wochen hier immer jemand fragte, ob jemand ein Bier trinken möchte. Zudem bot der ESN viele Veranstaltungen an, von denen ich hier berichten werde. In der Mail war auch ein Link zu dem Buddy-System, wo man sich registrieren konnte. Basierend auf seinen Hobbies und Interessen erhält man einen Buddy zur Seite gestellt, dies ist ein rumänischer Studierender, der unser Ansprechpartner ist für alle Fragen.

Ich bin Kerstin und studiere im fünften Semester empirische Politik- und Sozialforschung im Master. Nun gehe ich für ein Semester ins Erasmus nach Cluj-Napoca in Rumänien und werde euch hier einen Einblick ins osteuropäische Leben geben. Ich werde ab Oktober 2019 für ein Semester an der Fakultät für Politik-, Verwaltungs- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Babes-Bolyai in Cluj-Napoca studieren. Ich wurde von einer Kollegin im Internationalen Zentrum der Universität Stuttgart gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein bisschen darüber zu berichten, da es noch sehr unbekannt ist und es kaum Erasmus-Bewerber für Rumänien gibt. Hier werde ich euch alle zwei bis drei Wochen also etwas von meinem Erasmus-Austausch in Cluj-Napoca erzählen und euch Rumänien ein wenig vorstellen. Am Ende werdet ihr dann mehr kennen als nur Dracula und Transsilvanien

Dieser Post wird sich jetzt wirklich nur mit den Veranstaltungen der Intro Days befassen, einfach um zu zeigen, wie viel hier für uns Erasmus-Leute angeboten wird. Vielleicht ist die tolle Betreuung schon für den ein oder anderen ein Grund, sich auch hier zu bewerben. In den nächsten Posts werde ich wieder mehr über das Land und das Studium hier berichten (die jetzt wieder regelmäßiger kommen, ich war nur etwas abgelenkt in letzter Zeit mit Unikram und fast zwei Wochen voller Besuch aus Deutschland).

Ins Wohnheim eingezogen bin ich am 29. September. Hierzu folgt in einem extra Post noch mehr Info. Der nächste Tag, der 30. September war ein besonderer Tag. Alle universitären Einrichtungen waren geschlossen, da das 100-jährige Bestehen der Universitäten in Cluj gefeiert wurde. Dazu wurden wir schon ein paar Wochen vorher eingeladen, am Festumzug teilzunehmen. Jeder bekam ein Fähnchen, dann hieß es Warten. Irgendwann setzte sich der Zug in Bewegung, es gab Musik und die Stimmung war gut, was auch am strahlenden Sonnenschein lag. Am Ende des Umzugs sammelten wir uns vor einer großen Bühne, auf der alle Rektoren der sechs Universitäten Clujs eine Rede hielten (natürlich auf Rumänisch). Zum Abschluss wurde der rumänische Präsident Klaus Iohannis auf die Bühne geholt. Er hatte an der UBB Physik studiert und lief nun als Stargast mit. Seine Rede wurde ziemlich gefeiert, und da er so langsam redete, konnte ich auch einiges verstehen. Anschließend gab es ganz viel Konfetti und Musik und ich ging mit den Mädels, die ich kennengelernt hatte, Mittagessen (es wird auch noch ein Post zum Essen folgen).

Mit den Intro-Days ging es offiziell am 2. Oktober los. Wir wurden in der Aula der UBB sowohl von der Erasmus-Beauftragten als auch dem ESN begrüßt. Die Erasmus-Koordinatorin der UBB hatten fast alle schon am Tag zuvor kennengelernt, als sie uns für ein erstes Treffen in ihr Büro einlud. Nachdem wir so viele Mails mit ihr ausgetauscht hatten, waren wir fast schon ein bisschen aufgeregt, Frau Dranca nun persönlich kennenzulernen. Angekommen beim Büro musste ich aber erstmal warten. Warten ist etwas, wovon man in den ersten Tagen auf jeden Fall genug hat. Nach 30 Minuten Warten durfte ich endlich ins Büro, bekam das Learning Agreement und den originalen Letter of Acceptance und einen Zettel mit Dingen, die man innerhalb der ersten Wochen erledigen sollte. Außerdem füllte sie noch die Ankunftsbestätigung aus. Dann konnte ich noch ein paar Fragen stellen und das war es dann auch schon. Vor dem Büro wartete eine Menge weiterer Studenten.

Nun war also der erste Teil der Einführungswoche gekommen: die offizielle Begrüßungszeremonie. Sie fand in der Aula statt, die sehr prächtig geschmückt ist. Das gesamte Gebäude ist sehr schön und alt, die Wände sind stuckverziert und bunt. Zu Beginn wurde die Hymne der Universität gespielt, zu der wir aufstehen sollten. Alles ein wenig ungewohnt, aber interessant. Dann wurden wir begrüßt und bekamen eine Menge an Informationen mit auf den Weg. Gerade für uns Wohnheimbesucher waren es wichtige Infos. Alles wirkt sehr streng, man darf keinen Alkohol im Gebäude trinken, es können jederzeit Leute vorbeikommen, die das Zimmer inspizieren, die Küche wird von 23 Uhr bis 6 Uhr zugesperrt und Besucher sind nur bis 23 Uhr erlaubt. Jeder bekam beim Einzug eine Karte ausgestellt mit Foto, die sozusagen der Wohnheimausweis ist. Diesen müssen wir immer bei uns tragen, falls wir kontrolliert werden können wir so beweisen, dass wir im Wohnheim wohnen.

Anschließend gab es sogar noch einen Beitrag der Campuspolizei, die uns aufklärte, was wir im Fall von Diebstählen etc. machen sollten und dass es verboten ist, auf öffentlichen Plätzen Alkohol zu trinken oder Drogen zu konsumieren. Auch ist es verboten, jemanden lautstark zu beleidigen und so die öffentliche Ordnung zu stören. Falls dies passiert droht eine hohe Geldstrafe. Wie streng das geahndet wird weiß ich nicht, ich werde es auf jeden Fall nicht ausprobieren.

Am selben Tag fand abends das Kennenlernen der Buddies statt. Mein Buddy heißt Roxana und ist super nett. Wir haben uns an besagtem Abend getroffen. Im sogenannten „No Name Pub“ trafen sich Buddies und Erasmus-Leute zu einem gemütlichen Kennenlernen. Dieses Pub bietet sehr günstige Getränke an und liegt in einem Kellergewölbe, ein bisschen habe ich mich an das Café Faust in Stuttgart erinnert gefühlt. Danach begann die erste Party: „Servus Erasmus“ im Club Revolution. Das Besondere ist, dass der ESN den Club nur für uns Erasmus-Leute gemietet hat, was gut war, da es auch so schon sehr voll war und nicht noch mehr Leute reingepasst hätten. Mit unserem ESN-Armband bekamen wir freien Eintritt bis 12 Uhr.

Am Donnerstag stand eine kostenlose Stadttour für uns an. Da ich nicht dabei war kann ich nicht viel dazu sagen, meine Kommilitonen fanden sie allerdings ziemlich gut. Da sich ein paar Freunde zum Besuchen angekündigt haben, habe ich sie ausgelassen, da ich mir das alles dann noch oft genug anhören werde. Abends gabs direkt die nächste Party. Es war eine Karaokeparty angekündigt, die jedoch kurzfristig in eine Kamikazeparty umgeändert wurde. Das war etwas schade, da sich alle schon auf Karaoke gefreut haben. Mit unserem ESN-Bändchen bekam man wieder bis 12 Uhr freien Eintritt und einen Longdrink gratis, weshalb wir hin sind. Leider war der Club noch voller als am Vortag und man stand eine halbe Stunde für den Drink an.

Am Freitagmittag standen Museumsbesuche auf dem Programm. Man kam mit dem ESN-Bändchen kostenlos in drei Museum und erhielt auch eine Führung. Ich selber war nicht dabei, da zur gleichen Zeit das erste Treffen für den Rumänisch-Kurs stattfand. Wir bekamen durch andere Studierende mit, dass ein Rumänisch-Kurs nur für Erasmus-Studierende angeboten wird. Ich besuche ihn natürlich, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern, andere besuchen ihn, weil sie dafür 5 Credits bekommen.

Abends fand der Pub Crawl statt, der super besucht war. Anfangs wurden wir in fünf Gruppen geteilt und jeder bekam eine Flasche Wasser in die Hand gedrückt. Es standen fünf Bars auf unserer Liste und in jeder sollte es einen Shot geben. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass das Wasser zum Nachtrinken gedacht war; irgendjemand hatte sich sogar die Mühe gemacht, auf jede Flasche einen „Drink responsible“-Sticker zu kleben. Es sollte aber nicht nur beim Trinken bleiben, wir sollten während des Pub Crawls auch verschiedene Aufgaben absolvieren, für die wir Punkte bekamen. Der Gruppe mit den meisten Punkten winkte ein Preis. Unter anderem sollten wir twerken, jemand musste sich alle 20 Namen der Gruppenmitglieder merken und auswendig aufsagen, jemand sollte ohne Shirt zur nächsten Bar laufen (tat niemand von uns bei einstelliger Gradzahl) und wir sollten unser Shirt mit einem Gruppenmitglied tauschen. Alles in allem war es super witzig, nur dass jeder seine Nationalhymne laut singen sollte war etwas merkwürdig. Zum Glück war ich nicht die einzige Deutsche in meiner Gruppe, so musste ich nicht allein singen. Am einfachsten hatten es die Spanier, deren Hymne keinen Text hat, also mussten sie nur summen. Die ausgesuchten Bars waren alle ziemlich gut und der Pub Crawl war sehr unterhaltsam. Da wird anfangs die Zettel mit der Nummer zogen musste, waren die Gruppen zufällig gemischt und man lernte neue Leute kennen. Anschließend ging es auf die dritte Party der Woche: Im Flying Circus fand die „Carnival Party“ statt. Man sollte sich verkleiden, was aber niemand gemacht hatte. Der Club ist super, es gibt zwei Bereiche und endlich mal genug Platz zum Tanzen, jedoch war die Musik nicht ganz mein Fall. Jedoch ist dieser Clubs mittwochs zu empfehlen, es findet dann immer eine Karaokeparty statt.

Am Wochenende ging es ruhiger zu. Es fanden erstmal keine Partys mehr statt. Samstagmittag gab es eine Schnitzeljagd durch die Stadt, bei der ich aber nicht war, da ich einfach zu kaputt von den ganzen Parties war. Am Abend gab es dann in der Kantine der Uni einen Spieleabend. Beerpong wurde kurzfristig abgesagt, da man innerhalb der Unigebäude keinen Alkohol trinken darf, aber es gab Brettspiele ohne Ende.

Am Sonntag war das ganze Wohnheim wuselig, weil abends das Internationale Dinner stattfand. Ich ging mit ein paar Deutschen zu Kaufland, weil wir Kässpätzle vorbereiten wollten und wir gehört hatten, dass es im Kaufland Spätzle gibt. Tatsächlich bietet Kaufland einige deutsche Produkte an. Es gibt Schupfnudeln, Spätzle und Sauerkraut. Nur die Maultaschen fehlen. In der Küche wurde es eng, enger als sonst, da jeder sein Essen bis 18 Uhr fertig haben wollte. Pro Stock teilt man sich ja eine Küche mit 30 Leuten, unsere Küche im ersten Stock ist sogar für die doppelte Menge, da die Bewohner des Erdgeschosses keine Küche haben und hoch zu uns müssen. Außerdem sind die Möglichkeiten begrenzt, dass es nur einen Gasherd gibt und keinen Backofen oder eine Mikrowelle. Das fertige Buffet sah toll aus, ihr findet unten ein paar Bilder. Es gab so viel Essen! Vorher bekamen wir eine Präsentation mit ein paar Infos über Rumänien und es gab ein kleines Quiz dazu. Dann wurde endlich das Buffet eröffnet. Jedoch lief es nicht ab wie beim internationalen Abend des Interkulturellen Mentorings, wo wir uns in eine Schlange stellen und sich dann jeder etwas holt und weitergeht. Nein, die Leute stürzten sich von allen Seiten auf das Buffet und blieben stehen, sobald sie einen guten Platz hatten. Wir hatten leider Pech, da die Plastikgabeln und -löffel alle waren und wir erstmal gar nichts essen konnten. Als sie nachgeliefert wurden und wir uns an die Tische gedrängt hatten, war das meiste schon weg. Mein Tipp: eigenen Teller und Besteck mitbringen und Ellbogen ausfahren. Wir aßen dann einen Döner in der Stadt, aber ich hörte, dass unsere Kässpätzle ziemlich gut waren.

Montagabend war ein Picknick im Park geplant, welches jedoch aufgrund der Kälte in die Mensa verlegt wurde. Hier fand im Anschluss auch der Filmabend statt. Ich war nicht da, weil zur selben Zeit der Rumänisch-Kurs stattfand. Es wurde „Ziemlich beste Freunde“ gezeigt in Originalsprache mit englischen Untertiteln.

Dienstag ging es wieder in die „No Name“ Pub zum Sprachentandem. Ich hatte erwartet, dass man sich in Paaren unterhält, wie es üblich ist bei einem Tandem. Stattdessen gab es aber ein paar Tische, an denen uns die ESN-Freiwilligen ein paar Sätze beibrachten auf einer Sprache unserer Wahl. Ich lernte ein paar italienische Sätze, nun kann ich meiner italienischen Zimmermitbewohnerin sagen, dass sie schöne Augen hat und dass ich Hunger habe.

Mittwochabend wurde Speedfriending angeboten, man erhält einen Zettel mit einer Frage in die Hand gedrückt und muss dann jemanden suchen, der gerade frei ist, ihm diese Frage stellen, und anschließend wieder jemand Neuen zum Reden finden. Das war ganz lustig, da man doch immer noch viele Leute kennenlernte, mit denen man zuvor noch nicht geredet hatte. Anschließend war wieder Zeit für eine Party, nämlich die Graffiti-Party. Uns wurde erst am Morgen gesagt, dass wir ein weißes Shirt anziehen sollen, da es auf der Party Textilmarker geben wird und es Ziel ist, möglichst viele Unterschriften auf seinem Shirt zu sammeln. H&M und die anderen billigen Läden machten ziemlich guten Umsatz mit weißen Shirts an diesem Tag, ich zog ein Schlafshirt an, welches nun immer noch als Schlafshirt dient. Die Party fand im „After Eight“ statt, das war bisher der beste Club, da man viel Platz zum Tanzen hatte und die Musik sehr gut war. Wir wurden außerdem damit in den Club gelockt, dass es bis 1 Uhr kostenlose Shots und Bier geben soll. Auch hier musste man sich wie schon beim Internationalen Dinner durchboxen, da die Leute die Bar nicht verließen, sobald sie sie einmal erreicht hatten. Es war auch schwer, an Textilmarker ranzukommen, es wurden wenige ausgeteilt und man musste Glück haben, ihn einmal abzubekommen. Es war dennoch eine der besten Partys bisher.

Donnerstag, am letzten Tag der Intro Days, gab es abends eine Diskussionsveranstaltung darüber, wie man den Klimawandel aufhalten kann, anschließend wurde noch zur Glitter Party in den „Caro“ Club eingeladen.

Und damit waren die Intro Days vorbei. Freitag war Ruhetag, denn am Wochenende fand der Abschluss der Intro Days statt: der Maramu‘ Trip. Wir fuhren von Samstag auf Sonntag nach Maramures, eine Region nördlich von Cluj. Da dieser Post schon viel zu lang ist, werde ich euch im nächsten Post von Maramures berichten (inklusive dem chaotischen Anmeldeprozess).

 

Kerstin

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