Ein Auslandssemester in Cluj-Napoca: Es geht los!

Ich bin Kerstin und studiere im fünften Semester empirische Politik- und Sozialforschung im Master. Nun gehe ich für ein Semester ins Erasmus nach Cluj-Napoca in Rumänien und werde euch hier einen Einblick ins osteuropäische Leben geben.
Ich bin Kerstin und studiere im fünften Semester empirische Politik- und Sozialforschung im Master. Nun gehe ich für ein Semester ins Erasmus nach Cluj-Napoca in Rumänien und werde euch hier einen Einblick ins osteuropäische Leben geben. Ich werde ab Oktober für ein Semester an der Fakultät für Politik-, Verwaltungs- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Babes-Bolyai in Cluj-Napoca studieren. Ich wurde von einer Kollegin im Internationalen Zentrum der Universität Stuttgart gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein bisschen darüber zu berichten, da es noch sehr unbekannt ist und es kaum Erasmus-Bewerber für Rumänien gibt. Hier werde ich euch alle zwei bis drei Wochen also etwas von meinem Erasmus-Austausch in Cluj-Napoca erzählen und euch Rumänien ein wenig vorstellen. Am Ende werdet ihr dann mehr kennen als nur Dracula und Transsilvanien 😊

 

Warum Rumänien?

Ich wollte lange Zeit nach Madrid, aber kurz bevor ich meine Bewerbung begann, habe ich eine Dokumentation über eine deutsche Studentin in Cluj gesehen, die dort Medizin studiert. Die Stadt klang sehr interessant, da sie sehr multikulturell ist und zudem sehr hübsch. Zufälligerweise gab es die Uni als Partneruni meines Instituts. Ich habe mich dann im Schnelldurchlauf über die Uni in Cluj informiert und fand viele Kurse sehr interessant. Und schließlich habe ich mich dazu entschieden, dass Cluj meine erste Priorität wird. Beide Unis klangen gut und beide Städte interessant. Meine Mama ist in Rumänien geboren und ihre Familie lebt noch dort, daher war ich als Kind fast jedes Jahr einmal in Rumänien. Bei meinen Besuchen in Rumänien mit meiner Familie habe ich immer sehr gute Erfahrungen gemacht. Alle Menschen sind so nett und hilfsbereit und gastfreundlich. Leider kann ich jedoch kaum Rumänisch, was mich sehr stört, da ich nie ein richtiges Gespräch mit Familienmitgliedern führen konnte. Diese haben in ihrer Schulzeit kein Englisch gelernt. Schon als Kind habe ich immer wieder davon geträumt vielleicht mal für eine kurze Zeit in Rumänien zu leben und dann die Sprache zu lernen. Als ich dann diese Dokumentation gesehen habe dachte ich mir das Erasmus sei doch die perfekte Gelegenheit dazu. Natürlich kenne ich das Land schon ein bisschen von meinen Besuchen, jedoch waren wir immer in einem kleinen Dorf und Cluj ist die zweitgrößte Stadt des Landes. Zudem war ich immer nur mit meinen Eltern dort und Urlaub ist eben Urlaub. Jetzt werde ich ganz alleine leben und den rumänischen Alltag als Studentin miterleben.

Der Bewerbungsprozess zog sich etwas in die Länge, nach meiner Nominierung durch die Uni Stuttgart musste ich mich noch direkt bei der Uni in Cluj bewerben. Dies dauerte ein wenig, da die Universität in Cluj die Bewerbungsunterlagen für das kommende Semester einfach nicht hochlud. Das hat mich allerdings nicht überrascht, denn ich weiß, dass die Bürokratie in Rumänien manchmal ein bisschen langsam ist. Da ich zu faul war mir eine Wohnung zu suchen und das Wohnheim unschlagbar günstig ist (170 Lei, das sind nach aktuellem Wechselkurs 37 Euro,) habe ich mich um einen Wohnheimplatz beworben und zum Glück auch einen bekommen. Ein Grund für den niedrigen Preis ist, dass man sich ein Zimmer mit einer Person teilt. Dies ist für mich eine komplett neue Erfahrung, auf die ich sehr gespannt bin. Ich wohne seit fünf Jahren in einer WG, aber sich ein Zimmer zu teilen ist eine ganz andere Sache.

Was sind meine Erwartungen und Befürchtungen?

Ich erhoffe mir ein tolles Erasmus-Semester, da ich bisher nur gute Sachen über den Erasmus-Austausch meiner Freunde gehört habe. Ich habe mich während des Bachelors lange nicht getraut, weil ich doch ein wenig Angst davor hatte, wieder wie zu Beginn des Bachelors ganz allein in einer fremden Stadt zu sein, aber jetzt kurz vor Ende des Masters wollte ich es doch noch unbedingt machen, da ich es sonst bereue. Wann sonst kann man einfach so für vier Monate in ein anderes Land gehen und dort den Alltag erleben?

Ins Blaue?
Bild: Ane_W / photocase.de

Ich hoffe natürlich auch, dass ich mein Englisch, aber vor allem auch mein Rumänisch verbessere. Wie leicht das wird, wird sich zeigen. Ich bin sehr gespannt, ob ich Kurse mit rumänischen Studierenden zusammen habe oder ob wir Erasmus-Leute unter uns sind. Außerdem habe ich schon gehört, dass es anfangs etwas chaotisch sein kann, bis man alle Kurse seines Learning Agreements gefunden hat und man muss auch sehr viele Änderungen vornehmen, da die Kurse eventuell doch nicht stattfinden oder es zeitlich nicht passt. Außerdem freue ich mich auf die Einführungswochen. Es stehen zwei Wochen voller Veranstaltungen des Erasmus Student Network an, das wird sicher toll. Und es wurde schon ein Halloween-Trip angekündigt, bei dem man drei Tag gemeinsam mit den anderen ESN-Sektionen des Landes verbringt. Ich werde also viel zu berichten haben!

Sorgen mache ich mir nicht so viele, ich fürchte mich nur vor dem kalten Winter. Temperaturen unter -10 Grad sind wohl ganz normal. In dem Zusammenhang hoffe ich auch, dass mein Immunsystem sich zusammenreißen wird und ich nicht zum Arzt muss. Das kann in Rumänien etwas schwierig werden. Cluj ist zwar eine Großstadt mit einer guten medizinischen Versorgung (es gibt z. B. eine Uniklinik), aber ich denke nicht, dass dort jeder Arzt Englisch sprechen kann. Die Generation meiner Eltern hat das während des Kommunismus nicht oder kaum in der Schule gelernt, deshalb können wahrscheinlich eher nur die jüngeren Leute Englisch. Und sehr viele Ärzte rechnen privat ab, aus dem Grund habe ich noch eine Auslandsversicherung abgeschlossen.

Eine große Herausforderung wird die Entfernung zu meinem Freund sein, ihr werdet also in den Blogbeiträgen auch immer wieder etwas zum Thema Fernbeziehung während Erasmus lesen. Das wird nicht schön, aber es sind nur 4,5 Monate und über Weihnachten bin ich zuhause. Und Rumänien ist nicht so weit weg, man kann sich auch mal besuchen. Und eine gute Beziehung übersteht das locker, es sollte sich also niemand nicht für ein Erasmus bewerben aus Angst, dass die Beziehung drunter leidet.

Apropos: Rumänien ist von Deutschland aus in ca. 20 Stunden mit dem Bus zu erreichen. Züge fahren auch, damit braucht man 14 Stunden (ab München). Am schnellsten geht es mit dem Flugzeug. Wizzair fliegt die meisten rumänischen Flughäfen an, inklusive Cluj-Napoca. Hin werde ich fliegen, aber mein schlechtes Gewissen der Umwelt gegenüber wird mich an Weihnachten Zug fahren lassen. Der Flixbus ist zwar unschlagbar günstig, jedoch finde ich Zugfahren viel bequemer.

 

 

Kerstin

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.