Minijob oder Werkstudierende(r)? Die Vor- und Nachteile im Überblick

Worum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig?
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Wer ein Studium aufnimmt, ist in der Regel über zwei Dinge bestens informiert: Erstens – ein Studium finanziert sich nicht von selbst. Und zweitens – Geld wächst nicht auf Bäumen (auch dann nicht, wenn sie *Geldbäume heißen). Auch ohne Studiengebühren fällt eine ganze Reihe an Kosten an: Die Miete, falls ihr nicht bei euren Eltern wohnt, Ausgaben für Lebensmittel und Hygieneartikel, Kosten für den öffentlichen Nahverkehr, Semesterbeiträge und Studienmaterialien, … Vielen stellt sich dabei zwangsläufig die Frage, was sich finanziell mehr rentiert: Ein Minijob oder eine Stelle als Werkstudierende(r)? Die Vorteile und Nachteile nehmen wir heute ins Visier. 

Doch zunächst klären wir den Begriff des Minijobs, um den sich nach wie vor noch einige hartnäckige Mythen und Irrtümer ranken.

Wann spricht man von einem Minijob?

Im Begriffsdschungel kann man sich gelegentlich verirren, deshalb werfen wir an dieser Stelle einen kurzen Blick auf den Begriff Minijob, denn er nimmt im Rahmen möglicher Beschäftigungen eine Sonderstellung ein. Arbeitsrechtlich findet eine Unterscheidung zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung statt, wobei man bereits dann als teilzeitbeschäftigt gilt, wenn die regelmäßige Arbeitszeit geringer ausfällt als die betriebliche Regelarbeitszeit für Vollzeitbeschäftigte.

Der Minijob – Segen oder Fluch?
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Der Minijob stellt dabei eine Sonderform der Teilzeitbeschäftigung dar: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterliegen einer monatlichen Einkunftsgrenze von maximal 450 Euro, was einem Einkommen von 5.400 Euro jährlich entspricht. Bei der Höhe des derzeitigen Mindestlohns dürft ihr maximal 48,96 Stunden im Monat arbeiten, um innerhalb dieser Grenze zu bleiben.

Außerdem wichtig zu wissen: Minijobberinnen und Minijobber haben entgegen einer landläufigen Meinung sowohl einen Anspruch auf Urlaub als auch die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Werkstudierendentätigkeit oder Minijob?

Neben der Frage, was für einen Nebenjob ihr ausüben wollt, gilt es eine weitere Entscheidung zu treffen: Übt ihr euren Nebenjob als Werkstudierende(r) oder auf Minijob-Basis aus? Und welchen Unterschied macht das eigentlich? Beide Beschäftigungsarten haben ihre Vor- und Nachteile, über die ich euch im Folgenden informieren möchte.

Die Vor- und Nachteile im Minijob

Die Vor- und Nachteile im Überblick. Quelle: Pixabay.com

Widmen wir uns nun der Frage, vor welchem Hintergrund ihr einen Job sucht. Dass ihr etwas verdienen bzw. Einkünfte erzielen wollt, liegt auf der Hand.

In Abhängigkeit davon, ob ihr ein größeres Interesse am Verdienst oder der gewonnenen Erfahrung interessiert seid, unterscheidet sich nämlich auch die Wahl des Jobrahmens, der sich in eurer Situation empfiehlt. Nehmen wir also die Vor- und Nachteile des Minijobs genauer unter die Lupe.

Vorteile im Minijob
  • Minijobs eignen sich insbesondere dann, wenn ihr ein möglichst steuerfreies Einkommen verdienen wollt, denn der Bruttoverdienst ist zugleich auch euer Nettoverdienst.
  • Zudem sind viele gängige Aushilfsstellen ohne weitere berufliche Erfahrung auf Minijob-Basis ausgeschrieben, was euch eine größere Auswahlmöglichkeit an verfügbaren Stellen bietet.
  • Minijobs sind in der Regel zeitlich flexibel, sodass ihr je nach Branche die Lücken im Stundenplan zum Jobben ausnutzen könnt.
  • Rechtlich stehen auch dabei sowohl der Anspruch auf Urlaub als auch die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu. Zudem wird euch seit dem 1. Januar 2015 der gesetzliche Mindestlohn (Mindestalter 18 Jahre) gezahlt.
Nachteile im Minijob
  • Einer der großen Nachteile ist, dass ihr – sofern ihr nicht in die Sozialkassen einzahlt – auch keine Rentenansprüche erwerbt. Deshalb sollte der Minijob idealerweise nicht länger als unbedingt notwendig ausgeübt werden bzw. lediglich eine Ergänzung zu einem Erstjob darstellen.
  • Minijobs sind oftmals fachfremd angesiedelt, sodass sie euch zwar ein Einkommen generieren, sie aber in der Regel nicht gleichzeitig inhaltlich relevante Bezüge zum Studium haben und damit keine ersten Praxiserfahrungen liefern.
  • Besonders im Minijob-Bereich wird häufig absolute Flexibilität und Arbeit auf Abruf gefordert, was unter Umständen zu terminlichen Konflikten mit euren universitären (Pflicht-) Veranstaltungen führen kann.
  • Solltet ihr daran interessiert sein, den Minijob spätestens nach Studienende zu einem Vollzeitjob umzuwandeln, so solltet ihr wissen, dass das in den seltensten Fällen passieren wird. 

Wann spricht man von einer/m Werkstudierenden?

Um als Werkstudierende(r) gelten zu können, müsst ihr einige Voraussetzungen erfüllen. So hat das Studium definitiv Vorrang vor der beruflichen Tätigkeit. Die wöchentliche Arbeitszeit darf während der Vorlesungszeit 20 Stunden nicht überschreiten; in den Semesterferien liegt die Obergrenze bei 26 Wochen und mehr als 20 wöchentlichen Arbeitsstunden.

Die Vorteile und Nachteile als Werkstudierende(r)

Vorteile als Werkstudierende(r)

Als Werkstudierende/r habt ihr gegenüber Minijobberinnen und -jobbern gleich mehrere Vorteile – und von diesen profitieren die Unternehmen und ihr als Beschäftigte gleichermaßen:

  • Viele Werkstudierendenstellen werden in Bereichen ausgeschrieben, die sich nicht nur gut im Lebenslauf machen, sondern euch zugleich auch die Möglichkeit eröffnen, erste Kontakte zu potenziellen künftigen Arbeitgeber*innen herzustellen. Die dadurch gewonnene Praxiserfahrung in Verbindung mit dem Knüpfen eines ersten beruflichen Netzwerkes sind häufig genannte Gründe, weshalb Studierende verstärkt dazu tendieren, eine Werkstudierendenstelle zu ergattern.
  • Auch das Gehalt fällt oftmals höher aus als bei einer geringfügigen Beschäftigung, was unter anderem auch damit zusammenhängt, dass Werkstudierende in der Regel als vollwertige Arbeitskräfte (und potenzielle künftige Mitarbeitende) betrachtet werden, deren berufliche Leistung es angemessen zu honorieren gilt – und damit einher gehen oftmals mehr Verantwortung sowie die Zuweisung anspruchsvollerer Aufgaben.
  • Je nach Branche und Unternehmen könnt ihr nach Absprache auch eure Abschlussarbeit beim jeweiligen Unternehmen verfassen.
  • Nicht selten kommt es außerdem vor, dass ehemalige Werkstudierende nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums das Angebot erhalten, beim Unternehmen direkt einzusteigen und im Zuge dessen gegenüber anderen Bewerberinnen und Bewerbern bevorzugt behandelt zu werden.
Nachteile als Werkstudierende(r)
  • In der Regel haben Werkstudierendentätigkeiten einen höheren Wochenstundenumfang. 20 Wochenstunden stellen zwar eigentlich die Obergrenze dar, sind aber gleichzeitig auch eher die Regel, als die Ausnahme. Dadurch fehlt euch unter Umständen Zeit für die Uni, was insbesondere während der Prüfungsphasen problematisch sein kann.
  • Je nach Branche und Aufgabenbereich ist es sehr wahrscheinlich, dass ihr im Vergleich zu Minijobs ein deutliches Mehr an Verantwortung tragt. Dies kann dazu führen, dass euch neben dem Zeitfaktor der zusätzliche berufliche Stress belastet und an euren Kräften zehrt.
  • Leider können nicht alle Studierenden als Werkstudierende tätig werden. Davon ausgenommen sind unter anderem Promovierende, Studierende im Urlaubssemester und Gasthörer.

Und jetzt – Minijob oder Werkstudierendentätigkeit?

Wenn euch auch nach dem Vergleich die Entscheidung zwischen Minijob und Werkstudierendentätigkeit schwerfallen sollte, habe ich außerdem einen kurzen Fragenkatalog zusammengestellt, anhand welchem ihr mit 5 Fragen herausfinden könnt, in welche Richtung ihr tendiert. Einen guten Anhaltspunkt bietet euch im Übrigen eure Intuition bzw. euer Bauchgefühl.

Wo soll’s hingehen?
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Schnelle Entscheidungshilfe anhand von 5 Fragen:

  1. Wie viel Zeit kann ich neben dem Studium erübrigen?
  2. Geht es mir bei der angestrebten Stelle um mehr als den Verdienst (Praxiserfahrung, Abschlussarbeit im Unternehmen, berufliche Kontakte)?
  3. Sind mir Rentenbeiträge bereits während des Studiums wichtig?
  4. Lassen sich der Workload bzw. die Wochenstunden in den heißen Phasen des Studiums reduzieren und/oder in der vorlesungsfreien Zeit aufstocken?
  5. Hilft mir die Stelle für meinen künftigen Berufseinstieg weiter?

Viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung!

Romy

Quellen: Studis-online.de, Stellenwerk.de, Studentenwerke.de

Liebt Literatur und Psychologie. Hat einen Master in Germanistik und studiert Psychologie im Zweitstudium, um beide Leidenschaften zu vereinen. "Das Leben ist wert, gelebt zu werden, sagt die Kunst, die schönste Verführerin; das Leben ist wert, erkannt zu werden, sagt die Wissenschaft." (F. W. Nietzsche)

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