Praktika im Studium: Pflicht oder Kür?

Business, Baby? Bild: FemmeCurieuse / photocase.de

Neben Vorlesungen, Übungen und Tutorien sind Praktika ein fester Bestandteil des Studiums. Sie sind eine großartige Gelegenheit, um erste Kontakte zu potenziellen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern herzustellen, Gelerntes praxisnah anwenden zu können und mögliche zukünftige Arbeitsbereiche auszuloten. Dennoch stehen Praktika immer wieder in der Kritik: Spätestens seit der Einführung des Mindestlohns schrecken immer mehr Unternehmen davor zurück, Praktikumsplätze zu vergeben, die keinen verpflichtenden Bestandteil des Studiums darstellen (und damit unvergütet sind). Stattdessen werden Praktikumsstellen auf drei Monate begrenzt oder gar nicht erst vergeben. Und das betrifft keineswegs ausschließlich die kleinen bzw. mittelständischen Unternehmen. Warum es trotzdem wichtig ist, sich einen (oder mehrere) gute Praktikumsplätze zu organisieren und wie ihr das am besten anstellt, erfahrt ihr im heutigen Beitrag.

Es war einmal …

Richtig bewerben fürs Praktikum.
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… eine Person, die die treffende Komposition „Generation Praktikum“ erfand, die in den Medien noch vor wenigen Jahren hohe Wellen schlug und vielerorts zitiert wurde. Sicher habt ihr bereits von diesem Begriff gehört. Er liefert(e) eine Beschreibung für die Beobachtung bestimmter Entwicklungen, die sich auf dem Arbeitsmarkt abspiel(t)en:

„Junge Akademiker überbrücken potentielle Lücken im Lebenslauf, indem sie eine Praktikantenstelle nach der anderen annehmen, obwohl sie eigentlich eine feste Anstellung suchen.“

„Einige Unternehmen nutzen Praktikantenverträge zur Minderung des mit Neueinstellungen verbundenen Risikos, da sie bei Praktikantenverträgen die gesetzlichen Auflagen zum Kündigungsschutz und Tarifverträge nicht umverhandeln müssen.“

„Manche Unternehmen missbrauchen hochqualifizierte Praktikanten und Hospitanten, beschäftigen sie unter- oder sogar unbezahlt, ohne Absicht, entsprechende Stellen im regulären Angestelltenverhältnis einzurichten.“ (Quelle: Wikipedia)

Kann mich mir das Praktikum leisten?
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Unter diesen Gesichtspunkten betrachtet mag das Praktikum vorrangig als eine unattraktive Pflichtleistung erscheinen, die zudem noch folgende Probleme aufwirft: Wer ein (unentgeltliches) Praktikum absolviert, kein oder kaum BAföG bezieht und/oder keine familiäre Unterstützung erhält, steht vor dem Problem, sich während dieser 3 bis 6 Monate dennoch irgendwie finanzieren zu müssen. Und obwohl der BAföG-Satz immer wieder angehoben wird, bedeutet dies noch lange nicht, dass jede/r Studierende auch bafögberechtigt ist.

Unter Umständen fallen u. a. doppelte Miete, Kosten für den öffentlichen Nahverkehr bzw. Benzinkosten für den Fahrtweg neben den Semesterbeiträgen an, die ebenfalls aus dem schmalen Studierendenbudget gestemmt werden müssen. Finanziell schlecht(er) aufgestellte Studierende werden somit in mehrfacher Hinsicht belastet, denn in der Regel sind Praktika vorgeschrieben. So viel vorab: Der Spagat zwischen finanziellen und studentischen Verpflichtungen ist schwer, aber nicht unmöglich.

Kommen wir nun aber zu den am häufigsten gestellten Fragen rund ums Praktikum.

Wie lange dauert ein Praktikum?

Wichtige Aspekte rund ums Praktikum.
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Das Wichtigste zuerst: Werft zunächst einen Blick in eure Prüfungsordnung, um die organisatorischen und prüfungsrelevanten Aspekte zu klären – und das im Idealfall, bevor ihr euch bewerbt! Je nach Universität und Studiengang kann das Praktikum mit einer Dauer von 4 bis 8 Wochen bzw. von 3 bis 6 Monaten veranschlagt sein.

Je nachdem lohnt es sich daher, in Absprache mit der Universität und dem jeweiligen Unternehmen die angesetzte Praktikumsdauer zu verkürzen bzw. zu verlängern, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Manche Unternehmen nehmen erst gar keine Praktikantinnen oder Praktikanten unter drei Monaten auf, weil sie berechtigterweise den Aufwand und die Kosten scheuen, den die Einarbeitung bedeuten: Kaum seid ihr halbwegs eingearbeitet und stellt eine Bereicherung für das Unternehmen dar, ist das Praktikum auch schon wieder um.

Ab welchem Semester sind Praktika sinnvoll und wann bewerbe ich mich?

Den Überblick behalten.
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Eine pauschale Antwort würde hier definitiv zu kurz greifen. Als Faustregel gilt: Ihr solltet ca. die Hälfte des Studiums bewältigt haben (das entspricht dem 3. oder 4. Semester), um euch genügend Wissen angeeignet zu haben, damit ihr die erworbenen Studieninhalte idealerweise mit Praxiserfahrung verknüpfen und sie entsprechend umsetzen könnt. Je nach Studiengang handelt es sich um reguläre Pflichtpraktika, freiwillige Praktika, Orientierungspraktika und/oder ganze Praxissemester.

Gut zu wissen: Einige Unternehmen legen von vorneherein fest, ab welchem Semster sie überhaupt erst Praktikantinnen und Praktikanten aufnehmen. Im Zweifelsfall: Beim Unternehmen anrufen und euch erkundigen!

Wann der beste Zeitpunkt zum Bewerben ist, lässt sich schwer sagen. Je nach Unternehmen (und Branche) benötigt ihr einen Vorlauf von ungefähr einem halben bis zu einem ganzen Jahr. Letzteres ist besonders dann der Fall, wenn es sich um begehrte Praktikumsstellen handelt. Je früher ihr euch darum kümmert, desto besser.

Wo finde ich einen Praktikumsplatz?

Im Grunde genommen überall. Natürlich lohnt es sich, die gängigen großen Jobportale abzugrasen. Auch das Stellenwerk Stuttgart verfügt über eine Praktikumsdatenbank. Mindestens ebenso gut – wenn nicht sogar besser – sind Praktikumsplätze, die unter der Hand vergeben werden bzw. über Empfehlungen laufen. Gerade in der Uni könnt ihr (den guten Draht zum/zur Dozierenden vorausgesetzt) nach Praktikumsstellen fragen und/oder euch vorschlagen lassen. Vor allem im Forschungsbereich werden Praktika häufig an die Studierenden vergeben, die bereits als wissenschaftliche Hilfskräfte positiv in Erscheinung getreten sind.

Eine gute Strategie: Teilt eurer Familie, euren Freunden, Freundinnen und Bekannten mit, dass ihr auf der Suche nach einem Praktikumsplatz seid. Ihr werdet überrascht sein, wie oft es vorkommt, dass ihr jemanden kennt, der/die jemanden kennt, der/die wiederum jemanden kennt, der/die eine Praktikumsstelle vermitteln kann. Offensiv sein lohnt sich!

Ausschreibung oder Initiativbewerbung?

Traumjob gesucht? Nicht ohne Praktikum!
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Ihr habt euch bereits stundenlang durch diverse Jobportale gewühlt, aber das Wunschpraktikum war noch nicht dabei. Kein Wunder, denn viele Stellen werden gar nicht erst ausgeschrieben. Auch hier gilt es, offensiv zu sein und beim Wunschunternehmen anzurufen, um euch nach einem möglichen Praktikum zu erkundigen. Manchmal gelingt es auf diese Weise sogar, Praktikumsplätze für künftige Studierende zu generieren und eine Praktikumsstruktur aufzubauen bzw. zu etablieren.

Wichtig ist natürlich, dass ihr nicht völlig planlos an die Sache herangeht, sondern von vorneherein deutlich macht, welchen Mehrwert ihr dem Unternehmen bringt. Eine gute Vorbereitung sowie aktuelle Informationen über das Unternehmen sowie seine Philosophie, Umsatzzahlen etc. einzuholen, ist obligatorisch!

Reicht ein Praktikum?

Klares Jein, wobei das Nein überwiegt. Sobald ihr das Pflichtpraktikum absolviert habt, kann es jedoch unter Umständen schwierig werden, ein weiteres Praktikum anzugehen, da viele Unternehmen exklusiv nur Pflichtpraktika vergeben, die in der Regel unvergütet sind. Vorgesehen ist in den meisten Studiengängen jedoch nur ein einziges Praktikum. Alle Informationen hierzu findet ihr grundsätzlich in eurer Prüfungsordnung.

Ist allerdings mehr als ein Praktikum möglich bzw. vorgesehen, solltet ihr euch definitiv überlegen, entweder ein weiteres zu absolvieren oder euer bisheriges zu verlängern. Die Vorteile eines längeren oder zweier unterschiedlicher Praktika liegen auf der der Hand: Ihr könnt entweder in verschiedene Bereiche hineinschnuppern oder euch im Gegenteil stärker spezialisieren. Und wenn ihr zudem einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen habt, kennt ihr womöglich bereits eure/n zukünftige/n Arbeitgeberin bzw. -geber!

Praktikum im In- oder Ausland?

Schwierig zu beantworten, weil auch hier viele Faktoren eine Rolle spielen. Ob ihr euer Praktikum in Deutschland oder im Ausland macht, hängt zum Beispiel auch von eurem Studiengang ab. In einigen Studiengänge etwa ist es in der Prüfungsordnung verankert, dass ihr das Praktikum im Ausland absolvieren müsst.

Natürlich ist es auch eine Frage eurer Finanzen bzw. der Finanzierung. Wirft das Praktikum genug Geld ab? Wie sieht es mit den laufenden Kosten aus? Könnt ihr ein gleichwertiges Praktikum auch im Inland absolvieren oder muss es zwangsläufig das Praktikum abroad sein? Eine sorgfältige Planung ist hier das A und O. Ihr seht also, wie realisierbar es ist, hängt stark von eurer persönlichen Situation ab.

Wie kann ich mein Praktikum finanzieren?

Wenn das Geld mal wieder nicht vom Himmel fällt.
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Der beste Tipp lautet hier: Sucht euch ein bezahltes Praktikum! Doch das ist wesentlich leichter gesagt als getan, weil es davon abhängt, was ihr letztendlich studiert und wie geläufig bezahlte Praktika in diesem Bereich sind. Gerade der soziale Sektor ist beispielsweise nicht gerade dafür bekannt, bezahlte Praktikumsplätze zu vergeben.

Im Idealfall gelingt es euch, einen kleineren Betrag anzusparen, den ihr fürs Praktikum beiseite legt. Womöglich greifen euch auch eure Eltern unter die Arme. Unter Umständen kommt auch die Aufnahme eines Kredits infrage, allerdings sollte das gut überlegt sein.

Besser wäre es, wenn ihr euch mit dem Unternehmen zumindest auf eine Übernahme der Fahrtkosten einigen könnt, wenn sie eine Vergütung ausschließen. Informiert euch allerdings zusätzlich, ob ihr nicht doch mindestlohnberechtigt seid – manche Unternehmen sind diesbezüglich entweder nicht ausreichend informiert oder versuchen pauschal, gerechtfertigte Bezahlungen zu umgehen.

Leider sind viele Unternehmen auch heute noch weit davon entfernt, nur noch bezahlte Praktikumsplätze zu vergeben, aber eine Besserung scheint zumindest langfristig in Sicht.

Weiterführende Informationen rund um das Praktikum an der Universität Stuttgart findet ihr unter diesem Link: Praktikum. Eine Übersicht zu den Praktikumsrichtlinien der einzelnen Studiengänge an der Universität Stuttgart findet ihr hier. Und zu guter Letzt: Wenn ihr konkrete Ansprechpersonen sucht, wendet euch an das Praktikantenamt eures Studiengangs.

Alles Gute für die Praktikumsbewerbungen!

Romy

Quellen: Zeit.de, FR.de, BMAS.de, Wikipedia.com

Ich bin Romy, 31 Jahre alt und studiere Psychologie, meine zweite große Leidenschaft neben der Literatur. Mein Erststudium habe ich aufgrund der Liebe zum geschriebenen Wort mit dem Master in "Literaturwissenschaft: Germanistik" abgeschlossen. Wenn euch ein Thema besonders interessiert, teilt es mir in den Kommentaren mit, dann greife ich es gerne in einem Artikel auf. Take care! „Das Leben ist wert, gelebt zu werden, sagt die Kunst, die schönste Verführerin; das Leben ist wert, erkannt zu werden, sagt die Wissenschaft.“ (F. Nietzsche)

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