Kein Studienplatz – Wie geht es weiter?

Leer ausgegangen? Der Schock ist groß. Quelle: Pixabay.com

BÄM! Die Absage liegt vor euch und ihr könnt es noch gar nicht richtig fassen. Eure Freundinnen und Freunde scheinen ausnahmslos das große Los gezogen zu haben, während ihr leer ausgeht. Eure Eltern machen euch womöglich Druck und die Frage „Was willst du jetzt machen?“ kreist wie ein Adler in Dauerschleife in eurem Kopf. Der Traum fürs Wunschstudium ist erst einmal geplatzt. Aber es ist noch viel zu früh, um das Handtuch zu werfen. Welche Möglichkeiten habt ihr jetzt, um aus der scheinbar verschwendeten Zeit das Beste zu machen? In diesem Beitrag möchte ich euch ein paar Tipps geben und einige alternative Pläne vorstellen.

Zum Verzweifeln ist es definitiv zu früh. Und auch, wenn ihr sehr enttäuscht seid und das Gefühl habt, mindestens ein Jahr zu verschwenden, gibt es durchaus einige Dinge, die ihr bis zum nächsten Bewerbungszeitraum tun könnt, um die Zeit nicht sinnlos verstreichen lassen. Daher empfehle ich euch folgende drei Schritte, um euch nach der ersten Enttäuschung zu sortieren und neuen Mut zu schöpfen.

Schritt 1: Die Absage verarbeiten

Oftmals leichter gesagt als getan, denn niemand kassiert gerne eine Absage – und schon drei Mal nicht, wenn es um das (potenzielle) Wunschstudium geht. Der erste Schock darüber, mit leeren Händen dazustehen, sitzt oft tief. Lasst das Gefühl ruhig erst einmal zu, denn Verluste – und darum handelt es sich in diesem Moment ja – wollen zunächst einmal betrauert werden. In einem angemessenen Zeitraum, versteht sich.

Zieht euch ruhig für ein paar Tage zurück, wenn ihr keine Lust auf Rechtfertigungen und/oder Erklärungen habt. Ihr müsst euch weder verhören noch belächeln lassen, besonders anfangs nicht, wenn ihr noch mit der Enttäuschung ringt.

Schritt 2: Neu orientieren

Auf der Suche nach Orientierung. Quelle: Pixabay.com

Wenn der erste Schock überwunden ist, wird es Zeit, euch Gedanken über alternative Wege zu machen. Wenn ihr euch noch nicht im Klaren darüber seid, wie es weitergehen soll, nehmt euch etwas Zeit und geht die verschiedenen Optionen in Ruhe durch. Im letzten Abschnitt dieses Beitrags gehe ich explizit auf alternative Möglichkeiten zum Studium ein.

Wenn ihr euch allerdings sicher seid, dass ihr euren Studiengang unbedingt studieren wollt, dann solltet ihr euch auf jeden Fall erneut bewerben! Doch bevor ihr einen zweiten Anlauf nehmt, solltet ihr rekapitulieren, woran eure Bewerbung gescheitert ist. Damit kommen wir auch schon zum nächsten Schritt.

Schritt 3: Ehrliches Fazit ziehen

Zeit zum Umdenken und Rekapitulieren. Quelle: Pixabay.com

Okay, wenn es sich um einen zulassungsbeschränkten Studiengang gehandelt hat, der nun einmal nur (fiktive) 100 freie Plätze vergibt, dann macht es wenig Sinn, über das Warum der Absage nachzugrübeln. Wenn allerdings mehrere Faktoren eine Rolle spielen können – und das tun sie je nach Studiengang zweifellos – dann nehmt euch die Zeit, eure Bewerbung noch einmal durchzugehen und sie auf Schwächen zu abzuklopfen. Seid dabei so ehrlich wie möglich, sonst tut ihr euch selbst keinen Gefallen.

In manchen Studiengängen entscheidet einzig und allein die Abiturdurchschnittsnote darüber, ob ihr zum Studium zugelassen werdet oder nicht. Aber je nach Universität werden durchaus auch weitere Faktoren berücksichtigt, mithilfe derer ihr eure Chance auf einen Studienplatz deutlich erhöhen könnt: Etwa durch Wartesemester, die ihr sammelt, solange ihr an keiner deutschen Hochschule immatrikuliert seid.

Was lief schief?

Je nach Beliebtheit des Studiengangs – wie etwa Medizin – kann es jedoch 14 Semester und länger dauern, bis ihr tatsächlich einen Studienplatz erhaltet. Solltet ihr also auf einen dieser begehrten Plätze hoffen und nicht den benötigten Notendurchschnitt mitbringen, könnt ihr die Zeit bis dahin überbrücken, indem ihr in der Zwischenzeit beispielsweise eine Ausbildung absolviert, die ihr fürs spätere Studium inhaltlich (oder finanziell) nutzen könnt. So lassen sich viele spätere Medizinstudierende zuvor als Rettungsassistentinnen und -assistenten ausbilden.

Einmal Kunst, bitte! Quelle: Pixabay.com

In anderen Studiengängen – wie etwa Kunst oder Design – ist zusammen mit der Bewerbung eine Mappe einzureichen. Diese in Kombination mit einem Auswahlgespräch bzw. einer Eignungsprüfung entscheidet oftmals über Zulassung oder Absage. In diesem Fall empfiehlt es sich, bereits immatrikulierte Studierende zu kontaktieren und nach ihren Erfahrungen zu befragen und einen Mappenkurs in Erwägung zu ziehen. Dass ihr nicht angenommen wurdet, heißt nämlich keineswegs, dass ihr ungeeignet seid. Es gibt schlicht und ergreifend oftmals sehr viele Bewerberinnen und Bewerber auf sehr wenige Plätze. Und gerade in künstlerischen Studiengängen ist es oft gang und gäbe, erst in der zweiten oder dritten Bewerbungsrunde zum Studium zugelassen zu werden.

Auch Motivationsschreiben werden zunehmend häufiger verlangt. Wie gut ist es euch gelungen, eure Motivation für das Studium darzustellen? Natürlich wisst ihr noch nicht genau, was euch ganz konkret im Studium erwartet. Aber heutzutage wird mehr denn je von Schülerinnen und Schülern erwartet, dass sie in der Lage sind, sich selbstständig zu informieren. Wo werdet ihr fündig? Auf den Homepages der Universitäten, in den Modulhandbüchern der Studiengänge und im Vorlesungsverzeichnis, um nur einige zu nennen. In diesem Fall ist Google wirklich euer Freund.

Was unterscheidet etwa Universität A von Universität B? Welcher Schwerpunkt an dieser Uni und in diesem Studiengang ist für euch besonders wichtig? Welche Vorzüge bietet Universität A, welche Kooperationen mit Partneruniversitäten im Ausland gibt es? Macht euch selbst klar, warum ihr ausgerechnet diesen Studiengang an dieser Universität studieren wollt und weshalb ihr genau dort richtig seid. Verfasst eure Bewerbung nicht im stillen Kämmerlein, sondern sucht nach konstruktivem Feedback!

Auf ein Neues! 

Mit einem Hauch Glück zum Ziel. Quelle: Pixabay.com

Wollt ihr es in einem halben Jahr noch einmal probieren? Dann solltet ihr euch auf jeden Fall vorab informieren, an welchen Universitäten eine Bewerbung auch zum Sommersemester möglich ist, denn viele Studiengänge starten leider nur zum Wintersemester! Bringt die Bewerbungsfristen in Erfahrung und setzt euch am besten eine Erinnerung ins Handy, um sie nicht zu versäumen.

Falls ihr euch nur in der Nähe eurer Heimat beworben habt, wird es spätestens jetzt Zeit, euren Bewerbungsradius (im Rahmen eurer Möglichkeiten) zu erweitern: Um die größtmöglichen Chancen zu haben, solltet ihr euch deutschlandweit bewerben.

Eine weitere Möglichkeit, eure Chancen zu steigern, besteht darin, euch an Unis zu bewerben, die noch nicht ganz so beliebt und stark frequentiert sind, wie es bei zahlreichen Massenuniverisitäten der Fall ist. Oftmals liegen diese Unis etwas abseits bzw. befinden sich in kleineren Städten mit entsprechend weniger Studierenden und werden scherzhaft als „Unis in Hintertupfingen“ bezeichnet. Auch der Status „Exzellenzuniversität“ ist keine Garantie für ein hochwertiges Studium, denn die hierfür bereitgestellten Gelder fließen nicht in die oftmals dringend benötigte Grundfinanzierung. Und darüber hinaus studiert es sich nicht zwangsläufig besser an einer „Prestige“-Universität.

Wie ihr die Zwangspause nutzen könnt

Pause? Pustekuchen! Quelle: Pixabay.com

Je nach Studiengang ist es allerdings sinnvoll, die Zwangspause zwischen jetzt und der neuen Bewerbungsphase nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Einige Möglichkeiten habe ich oben bereits angesprochen: Ihr könnt beispielsweise eine Ausbildung absolvieren – je nachdem, wie lange ihr zwangspausieren müsst bzw. wie hoch eure Chancen bei der nächsten Bewerbungsphase stehen.

Alternativ könnt – und in manchen Fällen müsst – ihr ein Praktikum bereits vor Studienbeginn absolvieren. Informiert euch aber vorab bei eurer Wunschuni, ob dieses dann auch tatsächlich anerkannt wird, denn hinsichtlich der Anrechnung kocht jede Uni (und zuweilen auch die verschiedenen Studiengänge an ein und derselben Uni) ihr eigenes Süppchen, was die Anerkennung von Leistungen außerhalb des regulären Studiums betrifft.

Ein Beispiel hierfür ist das Praktikum für angehende Lehramtsstudierende, das an etlichen Universitäten bereits vor Beginn des Studiums absolviert werden muss (das gilt jedoch nicht für die Universität Stuttgart).

Ohne Moos, nix los. Quelle: Pixabay.com

Studieren ist teuer. Miete, Lebensmittel, Studiticket und Lehrmaterial wollen bezahlt werden. Daher besteht die nächste sinnvolle Option darin, die Zeit dazu zu nutzen, euch ein kleines (oder großes) finanzielles Polster aufzubauen. Besonders in den prüfungsintensiven Phasen wird es nämlich unter Umständen schwierig, Studium und Nebenjob(s) unter einen Hut zu kriegen. Und auch in den Semesterferien ist selten faulenzen angesagt: Hier werden Seminararbeiten geschrieben, Praktika absolviert oder Intensivkurse besucht. Zur Stellensuche könnt ihr euch auf diversen Jobbörsen nach Mini-, Midi-, Teilzeit- oder Vollzeitjobs umsehen. Eine mögliche Anlaufstelle ist das Stellenwerk Stuttgart.

Etwas ganz anderes machen

Keinen Plan? Kein Problem. Quelle: Pixabay.com

Wenn sich am Ende herausstellen sollte, dass ihr euch ohnehin eher halbherzig beworben habt (etwa dem Druck eurer Eltern gebeugt) und ihr tatsächlich noch gar keine Ahnung habt, was ihr nach Schule mit eurem Leben anfangen wollt, dann helfen euch womöglich folgende Alternativen weiter:

  1. FSJ, FÖJ oder BFD
  2. Work & Travel
  3. Ausbildung
  4. Praktika in verschiedenen Bereichen
1. FSJ, FÖJ und BFD

Was sind FSJ, FÖJ und BFD? FSJ steht für „Freiwilliges soziales Jahr“, FÖJ bedeutet „Freiwilliges ökologisches Jahr“ und BFD ist der „Bundesfreiwilligendienst“. Beim FSJ und FÖJ handelt es sich um eine „besondere Form bürgerschaftlichen Engagements“. Während der Fokus im FSJ auf sozialen Einrichtungen und Berufen liegt, steht im FÖJ die Umwelt im Zentrum des Engagements. (Quelle: http://www.bafza.de)

Für wen ist der BFD interessant und was macht man da? Er richtet sich altersunabhängig an alle, die bereit sind, sich zu engagieren. Dazu bieten sich Möglichkeiten im „sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich oder im Bereich des Sports, der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz“. Je nach Interesse stehen „Soziales (Kinder- und Jugendhilfe, Jugendarbeit, Wohlfahrts-, Gesundheits- und Altenpflege, Behindertenhilfe), Umwelt- und Naturschutz, Sport, Integration, Kultur- und Denkmalpflege, Bildung, Zivil- und Katastrophenschutz“ zur Auswahl. (Quelle: https://www.bundesfreiwilligendienst.de)

Verdienen werdet ihr nicht gerade die Welt, so viel steht fest. Vielmehr handelt es sich um ein kleines Taschengeld (zwischen 300 und 400 Euro), daher müsst ihr unter Umständen weiterhin zu Hause wohnen bleiben, um zusätzliche Kosten zu vermeiden. Allerdings stehen euch u. U. soziale Leistungen zu. Weitere Infos könnt ihr diesem Flyer entnehmen.

2. Work & Travel

Einmal um die Welt. Quelle: Pixabay.com

Viele Schulabgängerinnen und -abgänger nehmen sich direkt nach dem Abitur zunächst ein Jahr Zeit, etwas herumzureisen und die Welt zu sehen – warum also nicht auch dann, wenn es mit dem Studienplatz noch nicht geklappt hat? Doch wer (ver-) reisen will, braucht Geld dafür – und zwar einen ganzen Haufen davon. Und deshalb bietet sich Work & Travel an, das beides vereint, sodass ihr euch beim Reisen refinanzieren könnt.

Work & Travel ist eine besonders gute Gelegenheit, um euch auf neue Ideen zu bringen, ein neues Land mit seiner Kultur zu erleben, eure Sprachkenntnisse zu erweitern und nebenbei etwas Geld zu verdienen. Beliebte Reiseländer sind Australien, Neuseeland und Kanada. Wohin zieht es euch? Achtung: In der Regel benötigt ihr je nach Reiseland eine bestimmte Summe an Startkapital, was ihr bei eurer Planung berücksichtigen solltet.

3. Ausbildung

Eine Ausbildung muss keineswegs lediglich eine Zwischen- oder Behelfslösung sein. Aufsteigen könnt ihr auch nach der Gesellenprüfung, indem ihr zum Beispiel den Meisterabschluss macht. Je nachdem, welchen Beruf ihr anstrebt, ist es vielleicht sogar besser, eine Ausbildung abzuschließen.

Der große Vorteil vieler Ausbildungen ist es, währenddessen bereits Geld zu verdienen (statt welches auszugeben). Danach könnt ihr – sofern ihr das wollt – immer noch studieren, müsst es aber natürlich nicht. Diesem Thema habe ich bereits einen Artikel gewidmet: Die Qual der Wahl: Ausbildung oder Studium?

4. Praktika in verschiedenen Bereichen

Immer noch auf Jobsuche? Quelle: Pixabay.com

Ihr wollt oder könnt euch noch gar nicht festlegen – oder ihr habt einfach so gar keine Vorstellung davon, was euch im jeweiligen Beruf erwartet? Dann ist es nicht verkehrt, euch einen Praktikumsplatz in den Bereichen zu besorgen, die euch interessieren. Neben der simplen Tatsache, dass ihr keine Lücke im Lebenslauf erklären müsst, könnt ihr so in verschiedene Branchen und Unternehmen hineinschnuppern, erste berufliche Erfahrungen sammeln und im besten Fall erste Kontakte knüpfen. Schaut dazu im Artikel von Feven vorbei: Mehr als nur Kaffee kochen.

Unterm Strich: Es lohnt sich definitiv, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern euch aktiv auf Ideensuche zu begeben. Nicht, um euch vor Eltern, Freundinnen und Freunden oder euren Verwandten zu rechtfertigen, sondern in erster Linie, um für euch selbst das Beste aus der Situation zu machen.

Alles Gute für eure Zukunft!

Romy

Ich bin Romy, 30 Jahre alt und studiere Psychologie, meine zweite große Leidenschaft neben der Literatur. Mein Erststudium habe ich mit dem Master in "Literaturwissenschaft: Germanistik" abgeschlossen. Herzliche Grüße an alle Mitstudierenden! PS: Wir lesen uns.

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