Abi, und dann? Hilfe, wo soll ich studieren?

Die Frage aller Fragen: Wie geht es nach dem Abi weiter? Wenn ihr euch für ein Studium entscheidet, geht es neben der Entscheidung, was ihr studieren wollt, auch darum, wo ihr studiert werdet. Für all die Unentschlossenen unter euch, die sich zwar sicher sind, für welchen Studiengang sie sich bewerben wollen, aber keine Vorstellung davon haben, in welcher Stadt sie Wurzeln schlagen sollen, habe ich ein paar Tipps parat, die euch eure Entscheidung hoffentlich etwas erleichtern. 

Gratulation zunächst einmal, wenn ihr euch bereits für einen Studiengang entschieden habt! Damit wäre der erste Schritt bereits getan. Jetzt geht es nur noch darum, euch zu überlegen, wo ihr studieren wollt. Und tatsächlich habt ihr je nach Studiengang die Qual der Wahl (wenn man den Numerus clausus außer Acht lässt).

Deutschland wartet mit einer breit gefächerten Auswahl verschiedener Hochschulen auf: Im Wintersemester 16/17 zählen wir ganze 216 Fachhochschulen, 106 Universitäten, 52 Kunsthochschulen, 30 Verwaltungsfachhochschulen und 6 pädagogische Hochschulen, was summa summarum 426 Hochschulen ergibt. (Quelle: https://de.statista.com) 

Alleine in Baden-Württemberg sind 77 Hochschulen verortet. (Quelle: http://hochschulen-liste.de) Wie sollt ihr bei dieser großen Anzahl die für euch richtige Universität oder Fachhochschule herausfiltern? Keine Sorge, dazu kommen wir im nächsten Abschnitt.

Uni oder Fachhochschule?

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Quelle: Pixabay.com

Zunächst einmal solltet ihr euch darüber klar werden, ob ihr an einer Universität oder einer Fachhochschule studieren wollt. Die ehemals rigiden Grenzen zwischen Unis und Fachhochschulen verschwimmen zusehends und eröffnen euch je nach Interessengebiet die Möglichkeit, eurer persönlichen Neigung besser nachgehen zu können: Universitäten integrieren zusehends mehr Praxisorientierung, während Fachhochschulen verstärkt Wert auf eine fundierte theoretische Ausbildung legen. Das Bild des oder der „Nur-Fachhochschulabsolvent/in“ ist damit längst nicht mehr zeitgemäß.

Mein persönlicher Tipp wäre daher, euch zunächst einmal bewusst zu werden, mit welchem Ziel ihr studieren wollt: Geht es euch um eine potenzielle wissenschaftliche Karriere? Dann solltet ihr den universitären Weg einschlagen, denn Fachhochschulen fehlt bislang das Promotionsrecht.

Benötigt ihr lediglich einen bestimmten akademischen Grad, um künftig potenzielle Führungspositionen besetzen zu können (was je nach Branche durchaus gang und gäbe ist)? Zieht ihr eine tiefgehende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit eurem Studienfach vor oder wollt ihr eine stärkere Kombination aus Theorie und Praxisorientierung? Wollt ihr einen bestimmten Beruf ergreifen, der sich ausschließlich über ein universitäres Studium ergreifen lässt (Jura oder Medizin zum Beispiel)?

Wenn ihr auf diese Fragen eine Antwort gefunden habt, schränkt das eure Auswahl schon einmal etwas ein. Aber das ist erst der Anfang.

Worauf kommt es mir an?

Was will ich? Quelle: Pixabay.com

Ihr habt jetzt schon eine grobe Vorstellung davon, wohin eure Studienrichtung gehen soll. Der nächste wichtige Punkt auf eurer Checkliste sollte die Frage sein, nach welchen Kriterien ihr eure Favoriten selektieren und gewichten könnt. Folgende Aspekte könnt ihr in eure Überlegungen einfließen lassen:

  • Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des angestrebten Studiengangs der jeweiligen Uni/FH?
  • Befindet sich die Uni/FH in einer Klein- oder Großstadt, liegt sie zentral oder außerhalb?
  • Wie groß ist die Entfernung zur Heimat? (Ein Aspekt, den Wochenendpendlerinnen und -pendler berücksichtigen sollten)
  • Bietet die Uni/FH internationale Kooperationen zu anderen Unis/FHs an?
  • Wie sind der Bachelor- und Masterstudiengang aufgebaut und welche Studienschwerpunkte könnt ihr wählen?
  • Gibt es Förderprogramme?
  • Wie zufrieden sind Studierende dieser Uni/FH?
  • Welches Prestige hat die Uni/FH?

Was sind meine finanziellen Möglichkeiten?

Ohne Moos, nix los. Quelle: Pixabay.com

Studieren kostet Geld. Auch wenn seit dem Sommersemester 2012 die Studiengebühren in Baden-Württemberg abgeschafft wurden, fallen im Laufe des Studiums durchaus beträchtliche Kosten an. Angefangen bei den Semesterbeiträgen, dem Semesterticket, verschiedenen (Lehr-)Materialien (was je nach Studiengang eine ganze Menge sein kann) bis zu den alltäglichen Ausgaben wie Lebensmittel, Miete und ab 25 Jahren die Krankenversicherung, um nur einige zu nennen.

Daher mein Vorschlag, euch ernsthafte Gedanken darüber zu machen, welche finanziellen Mittel euch für das Studium zur Verfügung stehen. Unter Umständen ist es etwa sinnvoller (und deutlich kostensparender), wenn ihr für das Studium bei euren Eltern wohnen könnt und euch somit zumindest die Kosten für den Umzug plus Kaution und natürlich auch die monatliche Miete spart.

Nicht immer ist das eine Option, denn natürlich kann es sein, dass ausgerechnet euer Studiengang nicht in der näheren Umgebung angeboten wird (und natürlich gibt es in der Regel auch keine Garantie dafür, dass ihr einen Studienplatz an eurer „Heimatuni/-FH“ bekommt). Je nach Beliebtheit der jeweiligen Uni/FH solltet ihr dementsprechend auch den hart umkämpften Wohnungsmarkt berücksichtigen, denn die Miete wird den Großteil eurer monatlichen Kosten ausmachen. Alternativen zur eigenen Mietwohnung sind daher Studierendenwohnheime oder Wohngemeinschaften, bei denen ihr die horrenden Mietkosten auf mehrere Schultern verteilt. Hilfreich ist hier eine Kostenaufstellung, bei der ihr sämtliche mögliche Ausgaben schriftlich fixiert und mit dem Budget vergleicht, das euch tatsächlich zur Verfügung steht (sei es durch Familie, BAföG, Stipendien und/oder Nebenjobs).

Je größer, desto anonymer?

Je anonymer, desto besser? Quelle: Pixabay.com

Ein nicht zu vernachlässigender Punkt ist die Überlegung, ob ihr an einer eher kleinen, familiären Uni/FH studieren wollt, oder ob ihr in die Masse einer großen eintauchen wollt. Beides hat klare Vor- und Nachteile: Je kleiner Uni/FH, desto mehr Kontakt werdet ihr zwangsläufig zu euren Dozentinnen und Dozenten haben und auch die Kommilitoninnen und Kommilitonen bleiben in der Regel keine namenlosen Gesichter. Je nachdem, ob es sich zusätzlich zu einer Campus-Uni/-FH handelt, habt ihr auch mehr Möglichkeiten, Studierende anderer Studiengänge kennen zu lernen, was deutlich erschwert ist, wenn die Uni/FH über die gesamte Stadt verteilt ist.

Je nach Größe wird es unter Umständen auch schwieriger, einen Platz in den begehrten Seminaren zu ergattern, da oftmals das Prinzip „Wer zuerst klickt, kriegt den Platz“ regiert. In anderen Fällen entscheidet von vorneherein das Losverfahren und eure Auswahl besteht nur noch darin, mögliche Prioritäten anzugeben und Fortuna zu bitten, gnädig zu sein. Allerdings muss man an dieser Stelle ganz klar differenzieren: Das Gerangel um Seminarplätze ist nicht alleine von der Uni/FH abhängig, sondern hängt natürlich auch sehr stark vom jeweiligen Studiengang ab. So sind etwa zulassungsfreie Studiengänge sicherlich weniger bis gar nicht davon betroffen.

Vor Ort: Hinter die Kulissen blicken

Natürlich könnt ihr auch einfach eine Münze werfen, wenn ihr wollt. Aber wollt ihr euren Studienort wirklich vollständig dem Zufall überlassen? Wenn ihr sorgfältig abgewogen habt, welche Kriterien unbedingt erfüllt sein sollten, dann lautet mein letzter Tipp an euch:

Fahrt hin – ja, tatsächlich! – und seht euch die Uni/FH vor Ort an. Hochglanzprospekte und informative Homepages von Unis/FHs können einen durchaus in die Irre führen. Deshalb mein Tipp: Nach Möglichkeit mindestens einmal hinfahren.

Lasst die Umgebung auf euch einwirken, sucht Kontakt zur Fachschaft und sprecht mit ehemaligen Studierenden über deren Erfahrungen. Je mehr Eindrücke ihr persönlich gewinnt, desto besser! Das gilt nicht nur für die Universität oder FH selbst, sondern natürlich auch für die Stadt, in der ihr studieren wollt. Welche Freizeitangebote gibt es dort, wie gut ist der öffentliche Nahverkehr ausgebaut – gibt es so etwas wie ein Nachtleben? Gibt es ausreichend Möglichkeiten für Nebenjobs, falls ihr darauf angewiesen seid oder euch einfach etwas dazu verdienen möchtet? Je nach Region kann es stellentechnisch sehr mau aussehen. All das hat zwar nur bedingt etwas mit dem Studium selbst zu tun, hat aber durchaus reale Auswirkungen auf eure Lebensqualität neben dem Studium.

Neben dem persönlichen Erscheinen könnt ihr auch vorab auf Erfahrungsberichte von anderen Studierenden zurückgreifen; eine Möglichkeit dazu etwa bieten zum Beispiel Studis Online und Studycheck – dort findet ihr zahlreiche Bewertungen und Erfahrungsberichte der Unis, die euch interessieren.

Just do it!

Und zu guter Letzt: Traut euch, eine Entscheidung zu treffen! Solltet ihr bei eurer Wahl danebenliegen, gibt es noch immer die Möglichkeit, die Uni oder FH zu wechseln (auch wenn das je nach Studiengang durchaus nicht leicht ist) und die bisher erbrachten Leistungen anerkennen zu lassen. Wer noch Unterstützung bei der Studien- und Berufswahl benötigt. Auf dieser Webseite findest Du Veranstaltungen, Workshops, Informations- und Beratungsangeboten, die wirklich unterstützen.

Alles Gute für euren Studienstart!

Romy

 

 

 

Ich bin Romy, 30 Jahre alt und studiere Psychologie, meine zweite große Leidenschaft neben der Literatur. Mein Erststudium habe ich mit dem Master in "Literaturwissenschaft: Germanistik" abgeschlossen. Herzliche Grüße an alle Mitstudierenden! PS: Wir lesen uns.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*