Regelstudienzeit vs Langzeitstudium

uns-3745Turbo-Abi in acht Jahren, Studium in der Regelstudienzeit schnell beenden und das am besten mit einem guten Notendurchschnitt, sonst gibt es doch Probleme mit dem Berufseinstieg…. Schon mal gehört, oder? Aber ist das wirklich so? Ist es wichtig, das Studium in Regelstudienzeit zu beenden oder soll man lieber Berufserfahrung sammeln und dafür eine längere Studienzeit riskieren?

Nachdem wir das Abi in der Tasche haben, folgt bei den meisten reifegeprüften ein Studium. So ein Studium soll in der Regelstudienzeit abgeschlossen werden. Demnach sind es sechs Semester in der Bachelorzeit und anschließend vier in der Masterzeit. Aber wer hat das zu entscheiden? Heutzutage ziehen viele Studierende ihr Studium in die Länge. Manche bewusst, andere unbewusst. Wenn ein Studium unfreiwillig durch schwere Prüfungen oder durchfallen verlängert wird, ist das eine Ursache. Aber viele Studierende kombinieren ihr Studium mit einem „Extra-Bonuspunkt“. Einige Studierende fürchten sich jedoch vor der „verlorenen“ Zeit. Oder haben Angst ihr längeres Studium zu erklären. Natürlich gibt es für beide Seiten, Vor-und Nachteile, die jetzt hier für euch aufgezeigt werden.

Eine Statistik von Statista sagt, dass 2014 rund 45 Prozent der Studierende ihren Bachelor-Abschluss und etwa 35 Prozent den Master-Abschluss in der regulären Zeit absolviert haben. Die Hochschulrektorenkonferenz und Kultusministerkonferenz der Länder wollen in Deutschland eine neue Reform, die den Bachelorstudierenden mehr Freiheiten im Studium ermöglicht, damit die Regelstudienzeit kein strittiges Thema mehr sein wird. Mittlerweile hängen immer mehr Studierende an ihr Studium zusätzliche Semester an – viele akzeptieren das aber auch, wie diese Mini-Umfrage von Stuggi.TV an der Uni Stuttgart belegt. 

Berufserfahrung

Ein zusätzliches Semester wird mit einer guten Planung zu einer nützlichen Erfahrung. Ein Extra-Semester entsteht nämlich häufig dann, wenn man ein Auslandssemester oder Praktikum verwendet werden. Die zukünftigen Arbeitgeber schätzen nämlich praktische Erfahrungen ganz besonders – egal ob im In- oder Ausland. Um bei der Bewerbung um einen Job aus der „Masse hervorzustechen“ ist mittlerweile etwas mehr als ein gewöhnlicher Lebenslauf nötig. Praxiserfahrung trägt in jedem Fall dazu bei. Gerade bei eher durchschnittlichen Noten, erhöhen Auslands- und Praxiserfahrungen die Chancen auf eine Arbeitsstelle. Und Praktika eignen sich zudem für das Kennenlernen des Wunschberufs. Nichts ist schlimmer, als eine bestimmte Vorstellungen über eine Tätigkeit zu haben, um dann während des Berufseinstiegs festzustellen, dass es in der Realität anders aussieht. Mit einem Praktikum nähert man sich seinem Ziel auf sinnvolle art und Weise. Darüber hinaus lassen sich Kontakte knüpfen, die nach dem Studium brauchbar sein können. Heutzutage erhalten bekanntermaßen viele Studierende durch Empfehlungen oder Kontakte ihren ersten Job.

Mit einem Auslandspraktikum neue Erfahrungen sammeln. Quelle: Pixabay.com

Mit einem Auslandspraktikum neue Erfahrungen sammeln und damit punkten. Quelle: Pixabay.com

Soziales Engagement & Nebenjob

Außerhalb des Studiums für andere – und nicht nur für den eigenen Geldbeutel – aktiv zu sein. Eine ehrenamtliche Arbeit ist bei zukünftigen Arbeitgebern hoch angesehen und kann damit die Einstiegschancen nur verbessern. Auch an der Universität Stuttgart kann man sich auf vielfältige Art und Weise engagieren.

Viele Studierende leben nicht mehr bei ihren Eltern und arbeiten nebenbei, um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Manchmal ist das gar nicht so einfach, Studium und Arbeit parallel laufen zu lassen, da kann die Uni auch mal in den Hintergrund treten. Auch wenn ein weiteres Semester dabei rauskommt, muss es nicht unbedingt negativ sein. Viele Arbeitgeber befürworten Unabhängigkeit und Disziplin. Und diese zwei Eigenschaften werden durch eure Nebenjobs und ehrenamtliche Arbeit hervorgehoben und bewiesen.

Abschlussarbeit & Schlüsselqualifikationen

In vielen Studiengängen steht der Abschlussarbeit kein Extra-Semester zu. Demnach müssen die Abschlussarbeit und weitere Prüfungen zeitgleich absolviert werden. Wem das zu viel Stress ist, kann sich ein Semester einbauen, indem nicht alle Prüfungen gleichzeitig angemeldet werden. Damit könnt ihr in Ruhe eure Thesis schreiben und die Prüfungen im Anschluss schreiben. Wer noch das Semester ausnutzen möchte, kann an der Uni Schlüsselqualifikationen belegen und eignet sich obendrein Kompetenzen an.

Zeitfaktor

Need time? Quellenangabe: sto.E / photocase.de

Need time?
Quellenangabe: sto.E / photocase.de

Wer in der Regelstudienzeit studieren möchte und merkt, dass zu viele Prüfungen anstehen,  kann seine Leistungsfähigkeit verlieren, wenn er dadurch überarbeitet ist. Das kann schlechte Noten und einen Motivationsausfall verursachen. Man setzt sich nämlich unter Druck und kann nicht mal in der Freizeit richtig entspannen. Aus diesem Grund kann man sich überlegen, die Prüfungen und Hausarbeiten dann anzumelden, wenn beispielsweise weniger Vorlesungen und Seminare anstehen. Unter weniger Druck zu studieren, kann die Motivation und Lernfähigkeit steigern. Man hat die Zeit nicht mehr im Nacken und kann gelassener lernen und sich über etwaige Berufsperspektiven informieren.

 

 

Auch wenn die Überschreitung der Studienzeit oft sinnvoll und nötig ist: Es gibt es einen wesentlichen Nachteil:

Finanziell gesehen, bekommen Studierende nur während der Regelstudienzeit eine Förderung durch das Bafög. Gerade Studierende, die Fixkosten wie Miete und weitere Rechnungen haben, sind oft auf das Geld angewiesen. Wer von der staatliche Unterstützung abhängig ist, hat oftmals keine Wahl und muss pünktlich fertig werden.

Fazit

Ihr habt es ein großes Stück weit selbst in der Hand, wie ihr euer Studium anpacken wollt. Man sollte die Studienzeit genießen und nutzen, um herauszufinden, was die persönlichen Ziele und Zukunftsperspektiven sind. Im Endeffekt wird die Regelstudienzeit aus diesem Grund häufig überwertet. Zusätzliche Semester können noch weitere Erfahrungen darstellen und diese gelten als starke Indikatoren, die karrierefördernd sein können. Solange ihr eurem Arbeitgeber in spe die  „Auszeit“ oder eure längere Zeit sinnvoll erklären könnt und kein unnötiges Langzeitstudium absolviert habt, wird euch das nur zu Gute kommen. Denn mittlerweile zählen, außer guten Noten und die Einhaltung der Regelstudienzeit, andere Werte (häufig mehr). Und ob Regelstudienzeit oder nicht – Hauptsache ihr schließt euer Studium ordentlich ab und seid zufrieden mit eurem Abschluss.

 

Feven

studiert an der Uni Stuttgart.

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