Lernen lernen fürs Studium – Strategien für bessere Noten

Wenn Lernen frustriert. Quelle: pixabay.com

Wenn Lernen frustriert.
Quelle: pixabay.com

Lernen lernen? Das hat man doch schon längst in der Schule getan. Ein paar Mal die Notizen durchgehen, ein paar farbige Markierungen hier und da und schon sitzt der Stoff. Schön wär’s. Die Realität sieht im Studium meistens anders aus. Spätestens im letzten Drittel des Semesters dürfte der Umfang eurer Studienunterlagen geradezu explodiert sein. 

Auch wenn es die wenigsten Studierenden gerne zugeben: Studieren bedeutet tatsächlich oftmals Lernaufwand. Viel Lernaufwand. Sich unvorbereitet irgendwie durch die Prüfungen zu mogeln stellt sich spätestens bei der ersten Uni-Klausur als eine eher bescheidene Idee heraus.

Warum alte Lernstrategien im Studium nicht (mehr) aufgehen, hat verschiedene Ursachen. Zum einen hängt das mit der simplen Tatsache zusammen, dass der Umfang dessen, was ihr im Hinblick auf die Klausuren lernen müsst, um ein Vielfaches zugenommen hat. Ein weiterer Aspekt besteht darin, dass sich das schulische Niveau enorm vom Niveau an Universitäten unterscheidet. Das klingt banal und einleuchtend zugleich, aber immer wieder werden Studierende gerade zum Beginn ihres Studiums von den an sie gestellten Anforderungen bitterböse überrascht. Deshalb zweifeln Studienanfänger*innen oftmals zunächst an sich selbst und/oder an ihrer Eignung zum Studium. Und das meist völlig zu Unrecht.

Wenn der Erfolg ausbleibt

Tatsächlich hat die Befähigung zum Studium mit mangelndem Klausurerfolg erst einmal nicht besonders viel zu tun. Stattdessen liegt das Problem an einer ganz anderen Stelle – in der Vorbereitung auf die Klausur bzw. dem Lernen selbst. Was in der Schule eher selten auf dem Stundenplan steht, sind Lerntechniken. Vielmehr wird stillschweigend vorausgesetzt, dass Schülerinnen und Schüler selbst herausfinden, wie sie sich idealerweise auf Klassenarbeiten vorbereiten können. In der Regel gelingt das auch ganz gut, in den meisten Fällen auch problemlos bis zum Abitur. Zwischenzeitlich werden Handouts verteilt, auf denen einige Lerntipps angegeben sind, die aber von den Lehrer*innen häufig unkommentiert bleiben, frei nach dem Motto: „Hier habt ihr etwas, macht etwas daraus.“

Wenn es dann auf die Uni zugeht, greifen die bisher zuverlässigen Lernstrategien nicht länger. Insbesondere das Zeitmanagement erfordert eine Überarbeitung – lediglich zwei oder drei Nächte vor der Klausur zu lernen führt – sofern ihr nicht The Brain seid – zu großen Misserfolgserlebnissen. Diese treten gehäuft auf, wenn zum Ende des Semesters fünf, sechs, sieben oder acht Klausuren hintereinander geschrieben werden müssen, von denen jede einzelne viel umfangreicher ist, als ihr es aus der Schulzeit gewohnt seid.

Lernen lernen an der Uni

Lernen mit Köpfchen spart Zeit. Quelle: pixabay.com

Lernen mit Köpfchen spart Zeit.
Quelle: pixabay.com

An beinahe jeder Universität werden Angebote bereitgestellt, um euch verschiedene Lernstrategien an die Hand zu geben und euch durch das Studium zu bringen. Zu den entsprechenden Schlüsselqualifikationen habe ich bereits einen Beitrag geschrieben. Konkrete Veranstaltungen bietet die Uni Stuttgart meines Wissens nach nicht an. Nichtsdestotrotz gibt es einige Strategien, mit denen ihr euer Vorgehen beim Lernen optimieren könnt.

Ganz grundsätzlich gilt: Wer ohne einen konkreten Plan lernt, verschenkt viel Freizeit. In Nicht mehr verzetteln – 5 Tipps zur Selbstorganisation habe ich beschrieben, wie ihr das Chaos um euch herum in den Griff bekommen könnt, um für das Lernen Raum zu schaffen – innerlich wie äußerlich. Wenn ihr euren Arbeitsplatz auf Vordermann gebracht habt, wird es Zeit, sich um den nächsten Schritt zu kümmern – und zwar das Lernen selbst.

Um euch den Schock bei der nächsten Notenvergabe zu ersparen, möchte ich euch in diesem Beitrag einige Strategien vorstellen, mit denen ihr euch künftig auf eure Klausuren vorbereiten könnt. Pickt euch das Passende heraus und vergesst den Rest, denn eines sollte vorab klar sein: Was dem oder der einen nützt, kann jemand anderes überhaupt nicht gebrauchen.

5 Strategien fürs Lernen

  1. Karteikarten. 
  2. Audioaufnahmen.
  3. Exzerpieren.
  4. Mindmaps.
  5. Spickzettel.

1.) Karteikarten kennen die meisten vielleicht noch aus dem Fremdsprachenunterricht, als es darum ging, ständig neue Vokabeln zu lernen und die alten zu behalten. Es gibt verschiedene Arten von Karteikarten, wobei der wesentliche Unterschied darin besteht, ob sie haptisch greifbar sind oder nicht. Wenn das zutrifft, handelt es sich in der Regel um die Klassiker aus Karton in Verbindung mit einem Karteikasten. Ist das nicht der Fall, habt ihr es mit virtuellen Karten zu tun, die darüber hinaus mit einer Lernsoftware auftrumpfen, die euch in bestimmten Zeitintervallen abfragt und (je nach Funktionsumfang) auf vorhandene Wissenslücken aufmerksam macht. Natürlich beherrschen die kleinen Kärtchen wesentlich mehr, als lediglich Vokabeln in euren Kopf zu pauken. Sie sind besonders hilfreich für jede Form von Definitionen, Fachtermini, usw. Ihr profitiert also in besonderem Maße davon, wenn in der Klausur detailreiches Wissen abgefragt wird.

2.) Audioaufnahmen sind nicht jedermanns Sache, aber wenn ihr euch beim Zuhören Dinge besser merken könnt, wäre es auf jeden Fall eine Überlegung wert, euer Lernmaterial aufzunehmen und beim Bus- und Bahnfahren oderbeim Sporteln anzuhören – oder wann auch immer ihr sonst im Alltag zum Warten verdonnert seid. Ihr werdet sehr schnell bemerken, ob euch diese Methode liegt oder nicht. Der Vorteil ist, dass ihr Leerlaufphasen sinnvoll überbrücken könnt, was besonders für Pendler*innen interessant sein kann.

3.) Das Exzerpieren von Stoff ist eine der umfangreicheren Methoden, bildet allerdings eine solide Basis zum Lernen. Das Ziel besteht hierbei nicht darin, sämtliche Details zu übernehmen, sondern zum einen den roten Faden zu finden – je nach Themengebiet die Argumentationsstruktur, die Methodik, etc. – und zum anderen aus eurem Exzerpt weitere Lernschritte abzuleiten. Dafür müsst ihr den Stoff komplett durcharbeiten. Weitere Lernschritte können dann ungefähr so aussehen: Karteikarten, auf denen ihr das jeweilige Thema stichpunktartig notiert und euch regelmäßig abfragt. Oder ihr entwerft eigene Klausurfragen, die ihr mit verschiedenen Antwortalternativen verseht, was besonders als Vorbereitung auf Multiple-Choice-Klausuren sinnvoll ist.

Mit der richtigen Strategie effektiv lernen. Quelle: pixabay.com

Mit der richtigen Strategie effektiv lernen.
Quelle: pixabay.com

4.) Mindmaps sind sehr umstritten und in Abhängigkeit vom jeweiligen Thema mal mehr, mal weniger sinnvoll oder angebracht. Wobei sie euch sehr gut weiterhelfen können, ist das Visualisieren von schwer verständlichen Texten oder schriftlich fixierten Modellen, die ihr in eine oder mehrere Grafiken übertragt. Darüber hinaus könnt ihr sie auch zum Wiederholen und Festigen des Lernstoffs nutzen, etwa, indem ihr euch Begriffe bzw. Fachtermini vornehmt und notiert, was ihr mit diesen Begriffen verbindet – natürlich nicht im Sinne des freien Assoziierens, sondern im Rückgriff auf das bereits Gelernte. So könnt ihr Wissenslücken unmittelbar auf die Schliche kommen und sie zeitnah schließen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass ihr nicht darauf angewiesen seid, hierarchisch zu denken (was unter Umständen allerdings notwendig sein kann, etwa, wenn Prozesse aufeinander aufbauen), sondern sämtliche Einfälle nebengeordnet festhalten könnt. Ob ihr euch lediglich einen Überblick verschaffen wollt, indem ihr die zugehörigen Themengebiete grafisch aufbereitet oder ob ihr direkt mit Mindmaps lernen bzw. wiederholen und Wissen festigen wollt, liegt dabei ganz bei euch.

5.) Bevor es einen großen Aufschrei der Empörung gibt: Das hier ist kein Aufruf zum Spicken und Betrügen in Klausuren, sondern im Grunde genommen der letzte Schliff, den ihr euren Lernmaterialien verpasst. Wieso? Wenn es euch gelingt, mehrere hundert (in manchen Kursen auch tausend) Seiten kurz und knapp auf Spickformat zu reduzieren (wobei ihr euch zwangsläufig auf das Wichtigste konzentrieren müsst), beweist das sehr deutlich, wie viel Vorarbeit ihr bereits geleistet habt. Deshalb ist dieser Schritt erst am Ende des Lernprozesses sinnvoll.

Falls ihr weitere Tipps und/Strategien parat habt, die euren Kommilitoninnen und Kommilitonen weiterhelfen können, nur her damit!

In diesem Sinne: Frohes Schaffen und gutes Gelingen!

Romy

Ich bin Romy, 30 Jahre alt und studiere Psychologie, meine zweite große Leidenschaft neben der Literatur. Mein Erststudium habe ich mit dem Master in "Literaturwissenschaft: Germanistik" abgeschlossen. Herzliche Grüße an alle Mitstudierenden! PS: Wir lesen uns.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*