Wie ich mein BWL-Studium schmiss und mich auf meine Stärken besann (Teil1)

Abschlussfoto_c_pixabay.com

Nach dem Abiball wartet die große Freiheit.

Es war im Sommer 2008. Umringt von Freunden und Mitschülern, die mich jahrelang durch meine Schulzeit begleitet hatten, stand ich in der Mittagshitze auf einer grünen Wiese und grinste für den Fotografen, der das Foto meiner Abschlussklasse schoss. Es war der Tag des Abiballs. Der Tag, den jeder von uns sehnsüchtig herbeigewünscht hatte. Der Tag, an dem wir die „Declaration of Independence“ (so unser Abimotto) unterschrieben hatten und uns hinaus in die weite Welt träumten. Für mich lag dieser Traum ziemlich klar vor mir: Ich hatte einen der seltenen Studienplätze an der Berufsakademie Stuttgart (heute: DHBW) ergattert, meinen ersten Arbeitsvertrag in einer Werbefirma unterschrieben und meine Umzugskisten gepackt, um in die erste eigene Wohnung zu ziehen. Eine ziemlich sichere Zukunft also, oder? 

Naja, ihr wisst ja: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Nach dem Abiball drehte sich die Welt

Studium abbrechen oder durchziehen - das ist hier die Frage

Studium abbrechen oder durchziehen – das ist hier die Frage.

weiter und der sogenannte „Ernst des Lebens“ fing an. Für mich bedeutete das Arbeiten und Studieren im dreimonatigen Wechsel. Die Berufsakademie war hart, die Wahl meines Studienfaches (BWL: Dienstleistungsmanagement – Medien und Kommunikation) hat vor allem meine Eltern glücklich gemacht und die Arbeit in der vermeintlich coolen Werbeagentur war nicht so spaßig, wie ich dachte. Punktum: Ich war irgendwie unglücklich. Nach langem Hadern mit mir selbst habe ich dann getan, was ich niemals zuvor gedacht hätte: Ich schmiss das Studium hin und ging erst Mal in mich. Was kann ich? Was macht mir Spaß? Welche Arbeit kann ich mir jeden Tag vorstellen?

Ziemlich riskant

Am Ende war die Lösung so einfach: In der Schule waren meine Lieblingsfächer Deutsch und Kunst. Auch waren das die Fächer, in denen ich die besten Noten hatte – warum also nicht darauf aufbauen? Ich schaute mich um und beschloss, dass zwei Dinge für mich in Frage kamen: Ein Lehramtsstudium an einer PH (für ein Lehramtsstudium an der Uni reichte mein Abizeugnis leider nicht, tztztz…) oder ein Bachelorstudium in den Fächern Kunstgeschichte und Deutsch. Also bewarb ich mich an der PH Ludwigsburg und an der Uni Stuttgart für eben diese beiden Studiengänge. Heute würde ich sagen: Ziemlich riskant, es nur an zwei Hochschulen bzw. Unis zu probieren, aber das ist ein anderes Thema.

Am Ende fiel die Entscheidung auf meine große Leidenschaft: Die Kunst.

Am Ende fiel die Entscheidung auf meine große Leidenschaft: Die Kunst.

Um neben dem Fach Deutsch auch Bildende Kunst unterrichten zu dürfen, muss man erst einmal seine künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Also verbrachte ich den Großteil meiner Zeit damit, eine sogenannte (Kunst-)Mappe mit eigenen Werken zu erstellen und wurde tatsächlich in die nächste Runde an die PH Ludwigsburg eingeladen. Auch hier schienen die Dozenten mit meiner Arbeit zufrieden zu sein und mir wurde ein gewisser Grad an künstlerischem Talent bestätigt, der ausreichen würde, um das Lehramtsstudium anzutreten. Cool, nur… ich wollte zwar unbedingt Deutsch und Kunst studieren, aber das Unterrichten an sich konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ja, ich weiß: Das hätte ich mir auch mal früher überlegen können. Hab ich aber nicht. Glücklicherweise kam wenige Tage nach dieser Erkenntnis die Zusage von der Uni Stuttgart für den Bachelor of Arts im Hauptfach Kunstgeschichte und Nebenfach Germanistik. Erst als ich den Bescheid in den Händen hielt und dabei strahlte wie ein Honigkuchenpferd wusste ich: Das ist es! Ja, und so war es dann. Ich trat das Studium an, schloss es ab und habe es bis heute keinen einzigen Tag bereut.

Wieso ich heute kurz vor dem Masterabschluss im Fach Literaturwissenschaft stehe und mich die Kunstgeschichte trotzdem nicht ganz losgelassen hat, erfahrt ihr im nächsten Teil.

Simone

Hi! Ich bin Simone und studiere seit nunmehr sechs Jahren an der Uni Stuttgart. Momentan befinde ich mich auf der Zielgeraden zum Master: Literaturwissenschaft. Wenn ich meine Zeit gerade nicht der Uni oder meinem Nebenjob widme, bin ich eine dieser rastlosen Reisenden, die ihre Erlebnisse und Erfahrungen auf einem Reiseblog in die Welt hinaus schreiben. Als gebürtige Stuttgarterin bin ich aber auch ein Schwabenmädchen durch und durch. Für die Neigschmeckten unter euch habe ich deshalb sicherlich den ein oder anderen Geheimtipp parat. :-)

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